Edward Carey

Das verlorene Observatorium

Roman
Cover: Das verlorene Observatorium
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2002
ISBN 9783935890113
Gebunden, 400 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Der Straßenkünstler Francis Orme versucht, das Mysterium der Liebe zu ergründen, indem er sich der Gegenstände bemächtigt, die seinen Mitmenschen am Herzen liegen. Am Tage steht er als lebendes Standbild bewegungslos im Zentrum seiner Heimatstadt, die Abende widmet er seiner "Ausstellung der Liebe", die er fein säuberlich katalogisiert im Keller eines abbruchreifen Observatoriums versteckt hat. Einst Familiensitz der Ormes, ist das Observatorium heute ein Mietshaus mit reichlich exzentrischen Bewohnern. Isoliert von der Außenwelt vegetieren die Mieter einsam vor sich hin, bis eines Tages die halbblinde Anna Tapp in Wohnung Nr. 18 einzieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.02.2003

Edward Careys Protagonisten sind Spinner, "Versehrte an Leib und Seele", schreibt Eva-Elisabeth Fischer. Am spinnertsten ist jedoch die Hauptfigur namens Francis Orme, ein Straßenkünstler, der eine wahre Beckett-Existenz führt und seit jeher seinen Mitmenschen Dinge entwendet, die ihnen lieb sind. Diese Dinge trägt Orme zu einer "Ausstellung der Liebe" zusammen, die er in einer Gruft hütet. Anfangs hätte sie den Roman des 1970 in Norfolk/ England geborenen Autors für eine Parabel auf den kollabierten Sozialismus gehalten, gesteht Fischer. Die Rezensentin ließ sich eines Besseren belehren und hält das ganze nun für eine glänzende Groteske, die sich nicht auf den Osten, sondern auf England selbst bezieht: Careys Figuren seien Abkömmlinge, Überlebende, traurige Überbleibsel des englischen Klassensystems, das völlig marode zu sein scheine. Trotz ihrer Überzeichnung wirken Careys Protagonisten auf Fischer höchst lebensnah, die wie Orme mit den lust- und sexualfeindlichen Normen der Upper Class oder ihrer Doppelmoral kämpfen. Diese Lebensnähe verdankt sich dem liebevollen Umgang des Autors mit seinen Figuren, der sie nicht mit dem britischen Empire untergehen lässt, sondern, frohlockt Fischer, diese "rettet".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.01.2003

Angela Schader ist ziemlich angetan von diesem Roman, dessen Handlungsort ein ehemaliges Observatorium ist, in dem zu den schon dort wohnenden sechs Mietern eine fast blinde junge Frau hinzukommt, die als Bedrohung des Gleichgewichts empfunden wird. Das Buch, ist "äußerst kunstvoll" konstruiert, stellt die Rezensentin fest, die das Ganze als Untersuchung der "menschlichen Beziehungsunfähigkeit" charakterisiert. Und auch wenn Schader einräumt, dass mitunter die Motive dieses Buches etwas forciert wirken und mitunter ein "leises Ächzen" in der Romankonstruktion zu spüren sei, so ist sie doch von diesem "phantasievoll ausgemalten Theater der irregeleiteten Gefühle" begeistert. Sie lobt die kunstvollen Sprünge, die der britische Autor so geschickt in den Romanverlauf gesetzt habe, dass der Leser sie kaum wahrnehme. Dass Carey zudem auch durchaus "erdnahe englische Schmuddeligkeit" in seinem Buch mit der großen Künstlichkeit der Handlung kombiniert, erhöht für die Rezensentin die "unbehagliche Bannkraft" dieses Romans.
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