Eduardo Halfon

Duell

Roman
Cover: Duell
Carl Hanser Verlag, München 2019
ISBN 9783446263727
Gebunden, 112 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Luis Ruby. Er hieß Salomon. Er starb, als er fünf war, ertrunken im Amatitlán-See. So bekam ich es als Kind in Guatemala erzählt." Wie passt das zusammen mit dem Foto eines traurigen Jungen im Schnee von New York im Jahr 1940, dessen Kopf aussieht wie der eines Erwachsenen? Um die wahre Geschichte seines Onkel Salomons zu erfahren, fährt der Erzähler zum Haus seiner Großeltern am Amatitlán-See und befragt eine uralte Kräutersammlerin, die von unzähligen ertrunkenen Kindern weiß, doch nichts von Salomon. Was ist mit dem verschwundenen Onkel passiert und warum schweigt die Familie über sein Schicksal?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2019

Nicht von dem "reißerischen" Titel abschrecken lassen, warnt Rezensent Rudolf von Bitter und erklärt: Um ein "Duell" geht es hier höchstens am Rande. Stattdessen liest er die Familiengeschichte Halfons, der, ausgehend vom ungeklärten Tod seines Onkels Salomon in den vierziger Jahren, immer mehr Familiengeheimnisse ans Licht bringt: Ein Großvater überlebte verschiedene Konzentrationslager und floh 1946 nach Guatemala, während weitere Familienangehörige im Ghetto von Lodz verhungerten; ein anderer Großvater war bereits 1919 von Beirut aus über New York, Peru und Mexiko nach Guatemala gekommen, erfährt der Kritiker. Er bewundert nicht nur Halfons unermüdliche Recherche, sondern vor allem die Feinfühligkeit, mit der sich der guatemaltekische Autor den verschwiegenen Schicksalen seiner Familie nähert. Witzige Anekdoten und die Sogkraft des Romans lassen den Rezensenten eine klare Leseempfehlung aussprechen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2019

Roman Bucheli staunt, wie ausdauernd Eduardo Halfon von den Toten berichtet. Als eine Ahnengalerie erscheinen ihm die Bücher des Autors und so auch dieses, das um den Tod des Onkels des Erzählers als Kind kreist. Ob der Junge nun in einer Klinik starb oder in einem See ertrank, wie der Erzähler imaginiert, ist dabei nicht so wichtig, erklärt Bucheli. Die Wahrheit entfaltet sich für ihn aus den sich überlagernden Familiengeschichten um Flucht und KZ-Tod, dem Schweigen, der Weltgeschichte. Wie hier das Kleine und das Große aufeinandertreffen, mit dem Tod eines Kindes und der Frage nach der Art seines Sterbens als Kristallisationspunkt, findet Bucheli lesenswert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 14.10.2019

Sigrid Brinkmann zeigt sich tief berührt von Eduardo Halfons Rekonstruktion seiner jüdischen Familiengeschichte. Wer sich auf die zwischen Wahrheit und Fiktion oszillierenden Erinnerungen einlässt, verspricht sie, begegnet zusammen mit dem Autor zwar schmerzhaften Verlusten, aber auch wunderbar schwebenden Deutungen, unerwarteten Geschichten und atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen. Halfons fragmentarisches, "erratisches" Erzählen über verschiedene Zeitebenen und Orte hinweg fordert laut Brinkmann Aufmerksamkeit, belohnt jedoch mit Poesie.