Eduardo Halfon

Der polnische Boxer

Roman in zehn Runden
Cover: Der polnische Boxer
Carl Hanser Verlag, München 2014
ISBN 9783446245990
Gebunden, 224 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Peter Kultzen und Luis Ruby. Als Kind glaubte Eduardo Halfon an die Lüge, die eintätowierten Ziffern auf dem Arm seines Großvaters seien dessen Telefonnummer. Nun, als Erwachsener, forscht er in seinem "Roman in zehn Runden" nach der wahren Geschichte: Auf seiner Spurensuche zwischen Guatemala, Osteuropa und Amerika stößt er auf neue Fragen und erstaunliche Antworten. Er findet sie in sich selbst und durch Menschen, denen er begegnet: ein Indio-Dichter, der völlig abgeschieden lebt, ein serbischer Jazz-Musiker und viele andere. Mit Witz und Melancholie erforscht der junge Autor aus Lateinamerika, was einen Menschen und eine Geschichte ausmacht.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.01.2015

Obszön und skandalös findet Marko Martin Eduardo Halfons Roman insofern, als ihm das Thema Auschwitz hier geradezu schlampig en passant erzählt scheint. Leseraufmerksamkeit erhält der Autor damit zwar, aber nicht die Sympathie des Rezensenten. Der mag den Plauderton nicht und hält die andernorts attestierte Nähe zu Bolaño für Anmaßung. Weder den literarischen noch den ethischen Ansprüchen des Rezensenten kann der Autor mit diesem Buch genügen. Als Kopist des bolañoschen Stils und Leichenfledderer (des eigenen Großvaters) geht Halfon für Martin durch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.09.2014

Diesem Erzähler ist nicht zu glauben, warnt Ulrich Seidler angesichts von Eduardo Halfons "schwebend komponiertem" Roman. Was der Ich-Erzähler, den Seidler nebenbei nicht gänzlich vom Autor zu trennen vermag, so alles an hechtmäßiger Hybris vorlegt, macht dem Rezensenten auf der wortwörtlichen Seite zwar Laune, auf der Metaebene jedoch hebt ihm das Ganze allzu oft allzu sehr ab in die unsympathschen Höhen der Unbescheidenheit a) des Literaturkenners und b) des Frauenhelden Halfon. Als Leser fühlt sich der Rezensent da mitunter arg unterschätzt. Wann immer der Text allerdings unversehens Abgründe öffnet, auf rissige Selbstbilder, auf das Grauen von Auschwitz, wird das Buch für Seidler interessant.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.09.2014

Eduardo Halfons Roman "Der polnische Boxer" besteht aus zehn autobiografischen Kurzgeschichten, die sich durch konkrete wiederkehrende Elemente und assoziative Verbindungen zu einem eindrucksvollen Roman verbinden, berichtet Rezensentin Eva-Christina Meier angetan. Der polnische Boxer stammt aus einer Anekdote, die Halfon seinem Großvater über dessen Zeit in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Auschwitz entlocken konnte, verrät die Rezensentin. Lange hatte den Autor die Geschichte umgetrieben, bis er eine angemessene literarische Form gefunden hatte, weiß Meier, die sich sehr darüber freut, dass wir das Ergebnis endlich auch auf Deutsch lesen können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.09.2014

Wahrheit oder Literatur? Beim Lesen von Eduardo Halfons Roman ist sich Ralph Hammerthaler nicht immer ganz sicher. Auch die Form, eine Sammlung von Kurzromanen, die hier als Roman firmieren, findet er eigentlich fragwürdig. Eigentlich, denn was Halfon letztlich abliefert, macht Hammerthaler Spaß. So kühn ist die Verzahnung der im Original separat veröffentlichten Einzelteile, so präzise die Beobachtungen und so gelassen der Ton, schreibt er. Und schon ist Hammerthaler mittendrin im Lebensroman dieses Autors, der, wie er versichert, weder sehr guatemaltekisch ist, noch ein Roman über Juden und den Holocaust, wie der Plot vermuten lassen könnte. Mit all seinen Geschichtenerzählern, Musikmachern, Liebeskünstlern erscheint das Buch dem Rezensenten am ehesten noch als "Zigeuneroman". Doch was soll das nun wieder sein?
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2014

Rezensent Andreas Breitenstein singt eine Hymne auf Eduoardo Halfons neuen Roman "Der polnische Boxer". Als der neue Star am Himmel der lateinamerikanischen Literatur erscheint ihm Halfon, der in diesem - wie Breitenstein betont - glänzend übersetzten Roman Zeugnis seiner literarischen Könnerschaft ablegt: Mit wunderbar schrägem Humor und Ernst, Melancholie und hintergründiger Ironie erzähle der guatemaltekische Schriftsteller von seiner Heimat, von Serbien - ein herausragendes, an Visionen Mircea Cartarescus gemahnendes Porträt - und der USA, dem Holocaust, Jazz und Mark Twain, Indio-, Zigeuner- und Judentum, dazu von Sex und nicht zuletzt von Literatur, informiert der Kritiker, der sich in dieser herrlich lakonisch erzählten, oft an Woody Allen erinnernden Geschichte auch noch bestens amüsiert. Improvisatorische Klänge von Franz Liszt vernimmt der Rezensent hier ebenso wie fantastische Bilder, er lernt darüber hinaus viel über die Macht der Literatur, schwelgt in dem Spiel von Erfindung und Biografie des Autors und fühlt sich nach der Lektüre ganz wunderbar frei. Dieser Roman hat den Kritiker sichtbar bewegt.
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