Eduardo Belgrano Rawson

Rosas Stimme

Roman
Cover: Rosas Stimme
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406550645
Gebunden, 384 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen. Es ist die Nacht zum 17. April 1961, ein Dröhnen erfüllt die Luft rund um die Schweinebucht, die Krokodile in den Mangroven bleiben gelassener als ihre Artgenossen in den Krokodilfarmen, die glauben, dass die Futterlaster kommen. Ein Kellner aus La Cienaga hält den Lärm für die Probe einer karibischen Steel Band, während für zwei Männer auf einer Hochseeyacht das schrille Dröhnen wie Vogelschreie klingt. Es übertönt fast "Radio Swan", wo die Ansagerin Rosa mit der erotischsten Stimme der Karibik zwischen zwei Boleros verschlüsselte Meldungen der CIA verliest. In Wahrheit ist es der Auftakt zur Invasion in der Schweinebucht auf Kuba, bei der von der CIA ausgebildete Exilkubaner, unterstützt von amerikanischen Kampfbombern, im Süden Kubas landeten, um Fidel Castros 1959 installiertes Regime wieder zu stürzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2007

Florian Borchmeyer zeigt sich von der virtuosen Konstruktion des Romans über die Invasion der Schweinebucht und dem unheilvollen Wirken der CIA zwar durchaus beeindruckt, sieht Eduardo Belgrano Rawson aber trotzdem am Gegenstand seines Buches gescheitert. Der argentinische Autor biete ein imponierendes Figurenarsenal auf, deren Schicksale er geschickt und dennoch bestrickend unkompliziert miteinander zu verbinden wisse, lobt der Rezensent. Der Roman, in dessen Mittelpunkt die Sängerin und Radiosprecherin Rosa steht, die in ihren Moderationen versteckt militärische Befehle an die Söldnertruppe Amerikas übermittelt, erhellt die durchaus unbekannten Hintergründe des viel erforschten historischen Ereignisses, so Borchmeyer anerkennend. Allerdings hätte der Rezensent es vorgezogen, wenn der Autor gleich ein reines Sachbuch geschrieben hätte, denn gerade durch die ambivalente Haltung des Autors als Romancier und "politischer Agitator" scheitere der Roman. Dadurch, dass Belgrano den historischen Umständen und der komplexen Forschungslage gerecht werden wolle, bleibe naturgemäß der Raum für erzählerische Freiheit begrenzt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2006

Noch lange habe diese "historisch überwirkliche Monumentalmontage" in ihm nachgehallt, und zwar in Kopf und Bauch gleichermaßen, gibt Rezensent Andreas Breitenstein beeindruckt zu Protokoll. "Tropen, Terror, Traurigkeit" benennt er als wesentliche Ingredienzen dieses Romans über die Kuba-Krise des Jahres 1961, der seinen Informationen zufolge auf "einer Unzahl von dokumentarischen Quellen" beruht und doch in vielem in der Tradition des magischen Realismus stehe. Der argentinische Schriftsteller Eduardo Belgrano Rawson enthalte sich jeder moralischen Wertung, überlasse die Schilderung stattdessen dem Personal seines Buchs - also Guerillakämpfern, Diktatoren, Ehefrauen, Barkeepern und Huren, insbesondere jener titelgebenden Exprostituierten Rosa, die als Radiosprecherin zur Legende wurde. Angesichts der Komplexität des multiperspektivisch aufgelösten Stoffes klagt der Rezensent allerdings gelegentlich über Überforderung, Atemnot und mangelnden Überblick. Trotzdem verleiht er dem Buch insgesamt das Prädikat "großartig".
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