Edouard Glissant

Das magnetische Land

Die Irrfahrt der Osterinsel Rapa Nui
Cover: Das magnetische Land
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2010
ISBN 9783884233429
Gebunden, 96 Seiten, 16,80 EUR

Klappentext

In Zusammenarbeit und mit Zeichnungen von Sylvie Sema. Aus dem Französischen von Beate Thill. Die Osterinsel, das einsamste Eiland auf der Welt, liegt fünftausend Seemeilen von jedem Ufer entfernt im Pazifik.Wer fuhr einst dorthin, unter höchster Gefahr, mit dem Segelschiff in mörderischem Seegang, und brachte Mythen zurück und die Kunde von am Strand aufgestellten steinernen Riesen? Wer nimmt heute die Mühen eines viele Stunden dauernden Flugs auf sich, in diese Einsamkeit? Sylvie Glissant, die Frau des Autors, hat dies gewagt, und sie hat zudem die Nächte ihres Aufenthalts auf einem von den Wellen gebeutelten Segelschiff verbracht. Wir lesen die Geschichte einer zeitgenössischen Entdeckung der Osterinsel, die zunächst die abweisende Natur und eine menschliche Einöde überwinden muß. Edouard Glissant wertet die Bilder und Berichte seiner Frau aus und verfolgt altchinesische, japanische Spuren, Traumpfade, die über die Insel verlaufen. Wer wohnt heute dort?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.08.2010

Ganz beflügelt ist Rezensent Joseph Hanimann, nachdem er mit Edouard Glissant zur Osterinsel Rapa Nui gereist ist. Dabei hat er mit dem Autor eines gemeinsam: Auch der 80-jährige Glissant hat die geheimnisvolle Schönheit der Insel nur aus zweiter Hand erlebt. Seine Frau Sylvie Sema versorgte ihn nach ihrer Reise mit Fotos, Filmen und Notizen, die der Autor kunstvoll zu "Meditationsskizzen" über die Geschichte der Insel, ihre Einwohner und Mythen verarbeitete, so Hanimann. Umgeben von der "Dauerhaftigkeit des Flüchtigen", die Glissants Schilderung durchzieht, erlebt der Kritiker die überwältigende Größe der Moai-Statuen und erfährt, dass es durch die Globalisierung nun auch Blumen auf der Insel gibt, die "den Duft der Welt" verbreiten. Und dank Beate Thills gelungener Übersetzung lesen sich die Kurzgeschichten auch auf Deutsch wie "reine Prosagedichte", freut sich Hanimann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.04.2010

Laut Martin Zähringer ist Edouard Glissant ja ein wahrer Tausendsassa: Dichterphilosoph, Wissenschaftspoet und kosmopolitischer Akademiker. Leider ist er auch schon ein Greis und darum reist seine Frau Sylvie Sema an seiner statt auf die Osterinsel Rapa Nui und zeichnet und berichtet und sendet ihm Handyfilme und Interviews mit den Einheimischen, die Glissant mit seinem Wissen anreichert. Für Zähringer erschließen sich so nicht nur Gründungslegenden, Kolonialgeschichte und Alltag der Insulaner. Die Form der insularen, mündlichen Überlieferung verrät ihm auch die Sympathie der Autoren mit den schriftlosen Völkern und ihr ironisch-kritisches Verhältnis zum klassischen Reisebericht und zum ethnologischen Schreibtischalltag. Dass dem Rezensenten dabei nicht immer ganz klar ist, wer gerade spricht, nimmt er hin. Zu reich wird er beschenkt mit Erkenntnissen über die "archipelische Unordnung", das offene, nomadische Sein im Vergleich zur rationlisierten kontinentalen Kultur.

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