Dieser neue Band der Henscheid-Werkausgabe macht drei längst vergriffene Romane wieder zugänglich und stellt zwei Kurzromane als Erstveröffentlichung bzw. erste Buchveröffentlichung vor: Dolce Maria Bionda (1983), Maria Schnee (1988), Die Unverblühten (1988), Beim Fressen beim Fernsehen fällt der Vater dem Kartoffel aus dem Maul (1970/81), Dr. med. Erika Werner - Roman einer jungen Ärztin - erscheint hier als Erstveröffentlichung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2004
Die Geschichte der Feuilletonkompatibilität des Eckhard Henscheid muss neu geschrieben werden, behauptet Alex Rühle und tritt am Beispiel des dritten Bandes der Gesamtausgabe den Beweis seiner unerhörten These an. Diesen legt er nämlich all jenen dringlich ans Herz, die dem Glauben nachhängen, der Autor habe erst 1988 mit dem Roman "Maria Schnee" (im Band enthalten) den Berechtigungsschein fürs Hochfeuilleton erlangt. Alles Quatsch, findet Rühle, bereits 1981 hat Henscheid mit seinem grandiosen Kurzroman "Beim Fressen beim Fernsehen fällt der Vater dem Kartoffel aus dem Maul" (lange vergriffen, nun im Band "endlich!" wieder erhältlich) unter Beweis gestellt, dass er für feuilletonistische Weihen geeignet ist. Die "sagenhafte Stilübung" beschreibt nichts anderes als ein Abendessen vor der Glotze und thematisiere damit die etwa von Günther Anders beklagte "Vernichtung der gemeinsamen Ess- und Gesprächskultur durch den Fernsehkonsum". Adorno, Anders, Sonntagspredigt - alles werde auf 87 Seiten kulturphilosophisch durchvoltigiert vom "Amberger Sprachsensibilisten" Henscheid, applaudiert der Kritiker. Auch beim Provinzidyll "Maria Schnee" passiert auf 200 Seiten nicht viel, eigentlich gar nichts, erläutert Rühle und meint das als Lob. Denn bei Henscheid gilt: "Handlung Null, Sprache alles".
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