Als Mystiker und Menschheitsproblematiker, Ersatzchristus, Russlanderneuerer, Verbrechensbekämpfer hat man Fjodor Michailowitsch Dostojewski jahrzehntelang gesehen und vereinnahmt. Doch wer war der große Russe wirklich? Nicht undenkbar, dass der Klassiker unter den Dichtern und Briefeschreibern im deutschsprachigen Raum bislang völlig falsch verstanden wurde. Weithin vergessen jedenfalls ist das besonnene und beinahe revolutionäre Wort Thomas Manns, in diesem Schwer-Romancier könne man einen "ganz großen Humoristen" erkennen bei dem es vor allem eins gibt: viel zu lachen. Eckhard Henscheid macht sich daran, diesem Missstand abzuhelfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2014
Selber lesen, meint Rezensent Edo Reents angesichts dieses auschließenden Pauschalhumorverdachts, den Eckhard Henscheid Dostojewski gegenüber äußert. Ausschließend den ganzen schönen Rest, wie Reents bedauernd feststellt. Dass Dostojewski Humor kann, möchte er dabei gar nicht in Abrede stellen, und der Autor belegt es. Aber muss man deshalb auch gleich die Psychologie, das Dramatische und alles, was sonst begeistert an Dostojewski über Bord werfen, fragt Reents. Nein, meint er, Thomas Mann hat den Russen besser gesehen, in all seiner Vielfalt nämlich.
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