Seit dem 11. September werden in der westlichen Welt dem Phantomwert der Sicherheit Stück für Stück Freiheitsrechte geopfert. Doch wir erleben nicht nur die Totalökonomisierung der Welt, sogar ein Militärbündnis wie die NATO wird zur "westlichen Wertegemeinschaft" überhöht. Eberhard Straub rechnet in diesem Essay mit der Inflation der Werte ab, rehabilitiert dagegen den Begriff der Würde und verteidigt die menschliche Freiheit.
So richtig schlau wird man aus Hubert Winkels' Kritik zu Eberhard Straubs Polemik ehrlich gesagt nicht. Es scheint sich bei der neuen Schrift des "Abendlanddenkers" um eine recht allgemein gehaltene Beschwerde über den Umgang mit dem Begriff der "Werte" zu handeln, die überdies offenbar aufs Altmodischste marxistisch getönt ist: Also so, dass "Wert" ohnehin nur ist, was von den herrschenden Produktionsverhältnissen zugelassen wird. Dann geht es aber auch noch um den Angriff der Biowissenschaften auf die Menschenwürde. Winkels scheint das Buch schon zu vergessen, während er noch drüber schreibt, denn das Ende seiner Kritik handelt nur noch vom Grimmschen Wörterbuch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010
Für einerseits durchaus konsistent hält Rezensent Michael Pawlik die theoretische Position Eberhard Straubs, der sich in diesem Band mit großer Skepsis gegen ein vor allem wertgestütztes Rechtsdenken wendet. Das Argument dagegen ist einfach: Hinter jedem als allgemein behaupteten Wert stecke letztlich "ein Interessent mit seinen eigenwilligen Absichten und Zwecken". An die Stelle der Moral setzt der Liberale Straub das Prinzip des Rechts und der "Freiheit", macht es sich für Pawliks Begriffe damit aber zu einfach. Überzeitlich, wie er suggeriert, seien nämlich auch diese Prinzipien nicht; gerade der Begriff der "Freiheit", wie Straub ihn propagiert, sei von seiner Herkunft aus dem 19. Jahrhundert nicht zu lösen.
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