Eberhard Rathgeb

Am Anfang war Heimat

Auf den Spuren eines deutschen Gefühls
Cover: Am Anfang war Heimat
Karl Blessing Verlag, München 2016
ISBN 9783896675415
Gebunden, 384 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Heimat als Gedanke und Gefühl. Wie kommt es, dass ein Mensch sich in Deutschland zu Hause fühlt? Dass er sagt: Hier ist meine Heimat? Die Antwort darauf führt durch die Verschlingungen eines komplizierten Gefühls. Und sie zeigt, was Heimat heute bedeutet und wie man dennoch offen für die Fremde bleiben kann. Am Faden der Lebensgeschichte seines Vaters erzählt Eberhard Rathgeb von Erfahrungen, die mit dem Tag beginnen, an dem einer auf die Welt kommt. Die individuell sind und dennoch in den Biografien berühmter Künstler und Denker ihren Widerhall finden. Vom Aufwachsen im Kleinen, dort, wo einer Verbundenheit fühlt, von Prägungen, die Seele, Geist und Gemüt erfahren, von Flucht, Exil und Tod, von der Sehnsucht nach einer verlorenen Heimat, von heimatlichen Fantasien und vertrauten Gedanken, von Nähe und Fremde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2016

Die Heimatfrage kann Rezensentin KatharinaTeutsch mit Eberhard Rathgebs Vaterbuch nicht für sich klären. Schon, weil Rathgeb das Thema Flucht und Flüchtlinge nur streift. Aber auch weil er bei seinem Versuch, auf den Spuren des Vaters das einst Richtung Argentinien verlassene Deutschland und das damit verbunden Heimatgefühl zu begreifen, zum Sphärischen neigt. Wenn Rathgeb mit Hannah Arendt, Adorno, Hölderlin und Heidegger im Gepäck durch deutsche Landschaften "mäandert", erfährt Teutsch eigentlich nicht viel mehr, als dass dort eine unheimliche Verbindung zwischen Gründeln und Grauen existiert. Und vielleicht, dass dem Phänomen Heimat nur retrospektiv auf die Spur zu kommen ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2016

Rezensent Hannes Vollmuth lässt sich von Eberhard Rathgeb ein kompliziertes Gefühl erklären. Was Heimat bedeutet und bedeutete, kann ihm der Autor anhand der Geschichte seines eigenen Vaters, verknüpft mit der deutschen Geistesgeschichte auseinandersetzen. Heidegger, Thomas Mann, Wittgenstein sind subjektive Gewährsleute des Autors in Sachen Heimat, zu denen, wie Vollmuth lernt, auch Sprache und Denken gehören. Am besten gefallen die Heimat-Gedanken des Autors dem Rezensenten, wenn Rathgeb konkret erzählt. Aber oft hat er regelrecht Angst, der Autor könnte sich hoffnungslos verzetteln bei seinen assoziativen Exkursen und den Gegenstand aus den Augen verlieren, sentimental, verstiegen und vage. Geistreich und aufwühlend gefällt der Autor Vollmuth schon besser, und das kommt zum Glück auch vor im Buch. Und dann entdeckt der Rezensent da noch ein "Grundrauschen" im Text, da geht es um Flüchtlinge und Heimat. Insofern, meint er, hat Rathgeb insgesamt doch ein recht wichtiges, richtiges Buch geschrieben.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2016

Auch wenn Eberhard Rathgeb "kulturelle Tiefenbohrungen" am Heimatbegriff macht, also die Versuche von Heimatbegründungen durch die deutsche Geisteswissenschaft neuerlich durchsieht und überprüft, lässt sich das vorliegende Buch, schweren Namen wie Kant, Goethe, Hegel und Heidegger zum Trotz, nicht auf den Versuch einer Rückbesinnung auf Heimat beschränken, meint Rezensent Dirk Knipphals. Vielmehr gehe der Autor mit diesen "großartigen Porträts und philosophischen Miniaturen" der Frage nach, was uns heute vom selbstverständlichen Heimatbegriff älterer Generationen trennt - die Zäsur des völkischen Denkens der Nationalsozialisten -, und arbeite gerade an einem Bewusstsein dafür, Heimat ohne Nation zu denken, dem Begriff das Deutsche also auszutreiben, so Knipphals. Kenntlich werde Heimat dann als etwas, was sich nicht ohne weiteres zur Abgrenzung und aggressiven Einforderung eigne. Insbesondere diesen tastenden, um Offenheit und Wahrhaftigkeit besorgten Charakter dieser "Spurensuche" weiß der Rezensent zu schätzen.
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