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Ebba D. Drolshagen

Wehrmachtskinder

Auf der Suche nach dem nie gekannten Vater
Cover: Wehrmachtskinder
Droemer Knaur Verlag, München 2005
ISBN 9783426273579
Gebunden, 400 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Ich bin deine Mutter", sagte die Stimme am Telefon. Elna Johnsens Leben fiel in sich zusammen, die ganzen 43 Jahre. Elna kannte diese Frau nicht. Der Vater von Elna Johnsen war ein deutscher Soldat, ihre norwegische Mutter hatte sie zur Adoption freigegeben. Elna ist ein Wehrmachtskind. Elna ist kein Einzelfall. In den ehemals von der Wehrmacht besetzten Ländern leben Millionen, die wie sie das Kind einer verbotenen Liebe zwischen einheimischen Frauen und deutschen Soldaten sind. Erstmals bricht Ebba D. Drolshagen jetzt das Schweigen, das die vertuschten Geschwister der deutschen Nachkriegsgeneration umgibt. Sie erzählt von den Schicksalen der Wehrmachtskinder in West und Ost, von der Suche dieser Kinder nach ihren Verwandten und davon, wie die deutschen Väter und Geschwister darauf reagieren, wenn plötzlich die Vergangenheit vor der Tür steht und ein geordnetes bürgerliches Leben aus den Fugen zu geraten droht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.09.2005

Ein "nicht unbedingt wissenschaftliches Buch" findet Berit Schmiedendorf bei Ebba D. Drolshagens Bericht über die Kinder deutscher Soldaten und norwegischer Frauen im Zweiten Weltkrieg vor. Die Geschichte der mindestens 12 000 norwegischer "Wehrmachtskinder", wie die Autorin sie nennt, ist gut erforscht, da in Norwegen die Einrichtung der Lebensbornheime die Festellung der Daten der Kinder gesichert hat. Davon profitiert auch Drolshagen, notiert die Rezensentin, fragt sich aber in Hinlbick auf das umfangreiche Wissen der Autorin, weshalb sie in manchen Passagen "lieber Romane und Lieder zitiert als authentische Fälle". Denn gerade diese findet Schmiedendorf spannend, wie etwa den der adoptierten Elna, die in zehn Briefen ihr Schicksal schildert und wie sie zu Weihnachten einen Anruf von einer Frau erhält, die in nordnorwegischem Dialekt behauptet, ihre Mutter zu sein. Für Schmiedendorf hat die Korrespondenz Drolshagens mit den inzwischen erwachsenen Kindern immerhin die Folge, dass die Zahl der Suchenden, die nach ihren Familien forschen, ansteigt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.07.2005

Die Rezensentin Elke Schubert stößt in diesem Buch über das Schicksal der Kindern, die aus Beziehungen zwischen der Wehrmacht angehörenden Besatzern und der Zivilbevölkerung hervorgingen, auf einige überraschende Aspekte: Zum Beispiel, dass eine Kontaktaufnahme zwischen Vater und Kind in den meisten Fällen als beiderseitiger Gewinn gewertet wurde, selbst wenn Besatzerkinder unter ihrem Status zu leiden hatten - sofern sie überhaupt wussten, dass ihr Vater Deutscher war. Fokus der Untersuchung sind die Niederlande, Dänemark und Norwegen. In letzterem Land gab es aufgrund der Länge der Besatzung und dem wohlwollenden Blick und der konkreten Unterstützung der Nazi-Besatzer auf Verbindung ihrer Soldaten mit Frauen einer "Nordischen Rasse" besonders viele Liebesbeziehungen. Schubert betont, dass die in diesem Buch geschilderten Fälle nicht unbedingt repräsentativ für die Gesamtsituation sind, weil Menschen mit schwierigen Biografien wohl eher auskunftswillig sind als jene, die eine davon unbelastete Kindheit hatten. Auch empirische Daten gibt es wenig, auf die die Autorin, die sich nach Schuberts Meinung dieses Dilemmas bewusst ist, zurückgreifen könnte. So kann die Autorin nur von "Extremfällen" berichten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.02.2005

Ebba von Drolshagen widmet sich in ihrem Buch "Wehrmachtskinder" einem lange verdrängten Thema, meint Barbara Bronnen, die in ihrer Kritik des Buches die Schmach und die Schande beschreibt, die den vielen unehelichen Kinder in den Besatzungsgebieten zuteil wurde. Während die Autorin in ihrem früher veröffentlichten Buch "Nicht ungeschoren davonkommen" die Beziehungen von Wehrmachtssoldaten in den Mittelpunkt gestellt hat, betont sie im vorliegenden Buch die "Suche" der Besatzungskinder nach dem "nie gekannten Vater", erklärt die Rezensentin. Insgesamt scheint Bronnen von dieser Studie recht angetan, es stört sie nur, mit wie wenig "Einfühlung" die Autorin über Frauen schreibt, die sich mit den deutschen Besatzern eingelassen haben. Indem sie diese Frauen in die Nähe von Prostituierten rücke, verkenne sie die Lage der Frauen in Kriegszeiten und wirke zudem reichlich "herablassend", so Bronnen unangenehm berührt.