72 Minuten Laufzeit. Für den Hörverlag sammelte Durs Grünbein aus den bereits veröffentlichten Büchern Texte, die für ihn bis heute Aktualität bewahrt haben, und kombiniert sie mit bislang Unveröffentlichtem.
Die neunundzwanzig Stücke aus dreizehn Jahren, die Durs Grünbein hier rezitiert, sind für Rezensent Harald Fricke "akribisch protokollierte Momente eines musealisierten Daseins". Stets gehe es darum, Situationen Wort für Wort zurückzuholen, sie festzumachen an den Kanthaken der Sprache. Dabei sind Grünbeins Erinnerungen selbst an Bilder gekoppelt wie z.B. an die Daguerreotypie Baudelaires, an Nachbilder und Röntgenbilder, erläutert Fricke. Er hebt hervor, dass Grünbein für sein "expressionistisches Bombardement mit Vanitas-Bildern und Verfallsallegorien" seine Stimme "ungeheuer" diszipliniert hat. Keine Silbe breche ihm während des fast monotonen Vortrags aus, in dem das Maß der Strophen allein den Rhythmus vorgebe. Bisweilen geraten Grünbein die Texte dadurch für Frickes Geschmack "unangenehm weihevoll".
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