Dragan Velikic

Dossier Domaszewski

Roman
Cover: Dossier Domaszewski
Marebuchverlag, Hamburg 2004
ISBN 9783936384116
Gebunden, 186 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Serbischen von Bärbel Schulte. Der neue Roman des serbischen Autors Dragan Velikic erzählt die Geschichte von Adam Vasic, der anlässlich der Dreißigjahrfeier seines Abiturs in seine kroatische Geburtsstadt Pula zurückkehrt. Dort lebt sein alter Schulfreund Stevan, der sich imLeben nicht zurechtgefunden hat und in ein Asyl in einer alten Villa am Rande der Stadt verbracht wurde. Stevan ist von einer historischen Figur besessen: Viktor von Domaszewski, der während der k. u. k.Monarchie in Pula lebte und vom Bau eines visionären Hafens träumte, bis er eines Tages spurlos verschwand. Als Adam sich daranmacht, das Rätsel Domaszewski zu lösen, tut sich zwischen den Mauern der alten Villa ein bedrohlicher Abgrund auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2004

Den Handlungsverlauf dieses Romans von Dragan Velikic kann man eigentlich gar nicht nacherzählen, stellt Jörg Magenau fest und versucht es trotzdem. Die Hauptfigur Adam Vasic reist in seine Heimatstadt Pula um an einem Klassentreffen teilzunehmen und um nach dem Tod seines Vaters dessen Bankkonto aufzulösen. Dabei begebe Vasic sich auf eine "Bewusstseinsreise" in die eigene Vergangenheit und in die Vergangenheit seines Landes, fasst Magenau zusammen. Er sieht die "große Kunst" des serbischen Autors eben darin begründet, dass es ihm gelingt, mit der individuellen Geschichte seines Helden auch die "Geschichte des Landes" zu schildern und sie so miteinander zu verknüpfen, dass sie "ununterscheidbar" werden. Dabei ist es Velikic "geglückt", die traumhafte Erlebnisqualität seines Protagonisten eindrucksvoll darzustellen, so der Rezensent angetan. Er zeigt sich von dieser "suggestiven Prosa" sehr eingenommen und schwelgt in den darin entwickelten "intensiven Bildern und metaphorischen Szenen". Dass es Bärbel Schulte dann auch noch gelungen ist, den "poetischen geheimnisvollen Erzählton scheinbar verlustfrei" ins Deutsche übersetzt, freut den Rezensenten besonders.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004

Fast schon ratlos gibt sich Rezensent Ijoma Mangold angesichts dieses zähen und geheimnisheischenden Romans. Daher besinnt er sich zunächst auf einfache Beobachtungen: "Dieser Roman ist kein Pageturner." Ein rechtes "Aber" will sich im Folgenden allerdings nicht einstellen, vor allem nicht als Mangold dämmert, dass das vorangestellte Motto von Louis-Ferdinand Celine den ganzen Roman auf den Punkt bringt - klarer und besser als der Roman selbst. Celine schreibe Folgendes: "Es ist nicht möglich, alles aufgrund von Tatsachen, Ideen und Worten zu erklären. Denn es existiert darüber hinaus auch all das, was man nicht weiß, und das, was man nie erfahren wird." Bei Dragan Velikic werde Letzteres jedoch zu "zunehmend schwummerigeren Poetisiererei" bis hin zu "völlig enthemmtem Reflexionsgemurmel". Trotzdem versucht der Rezensent die Handlung wiederzugeben: Adam Vasic kehrt für einige Tage in seine Geburtsstadt zurück und gerät zunehmend ins Nachdenken über den Bauherrn, der für die Stadt einen grandiosen Hafen bauen sollte, es doch nicht getan hat, aber zeitlebens an den Entwürfen dafür gefeilt hat. Der Entwurf, so Mangold, sei wohl genau das Changieren "zwischen Sein und Nicht-Sein" aus dem Motto, "die Wirklichkeit der Möglichkeit". Insgesamt jedoch ist dem Rezensent hier alles zu tiefschürfend mysteriös.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2004

Dieser Roman des in Belgrad geborenen serbischen Autors Dragan Velikic kann Bernhard Fetz nicht recht überzeugen. Das "Dossier", eine "etwas modisch gewordene" Methode, um Vergangenheit und Gegenwart zu vermitteln, wie der Rezensent erklärt, holt die historisch verbürgte Figur des Bauingenieurs Viktor Domaszewski, der in der k. u. k. Monarchie die Vision einer riesigen Hafenanlage hatte, die er allerdings nie verwirklichen konnte, wieder ins Gedächtnis. Gleichzeitig erzählt es von der Rückkehr Adam Vasics in seine kroatische Heimatstadt Pula. Der Rezensent findet, dass es "zu den Stärken" des Buches gehört, dass Velikic darin weder den "kakanischen Klischees erliegt" noch die Kindheitsgeschichte im noch jugoslawischen Pula vor dem Hintergrund des kommenden Krieges erzählt. Vielmehr geht es dem Autor um das "erfundene, geheime Leben" seiner Hauptfigur Adam Vasic, der von seiner Jugendliebe träumt und zu seinem tatsächlichen Existenz eine zweite "mögliche" dazu fantasiert. Doch sind die topographische Erkundung des "mitteleuropäischen Raums" um Pula und die biografischen Nachforschungen Vasics ziemlich anstrengend zu lesen, beklagt sich der Rezensent. Denn die Verschränkung der Vision des Bauingenieurs mit dem nur in der Vorstellung existierenden Leben Vasics sind ihm zu "thesenhaft" geraten und enthalten zu viele "Wiederholungen", so Fetz unzufrieden.
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