Doris Knecht

Wald

Roman
Cover: Wald
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783871347696
Gebunden, 272 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Eine Frau allein in einem abgelegenen Haus in den Voralpen: Marian haust primitiv, in unfreiwilliger Autarkie, denn sie hat alles verloren. Früher, in der Stadt, hatte Marian Mode entworfen und lebte gut, dann trieben die Krise und eigene Fehler sie in den Bankrott, zum völligen Rückzug. Aber auch der Versuch, im geerbten Haus wieder zu sich zu finden, wird für Marian zum Überlebenskampf. Mühsam lernt sie, sich zu versorgen, sie fischt, wildert, stiehlt Gemüse und Hühner. Und sie muss sich arrangieren, in neuen Abhängigkeiten: Der reiche Grundbesitzer Franz versorgt sie mit dem Nötigsten - nicht ganz uneigennützig. Stückweise enthüllt der Roman Marians Sturz, schnell und unverblümt erzählt er, wie sie sich in ihrem neuen, archaischen Leben zu behaupten lernt. Eine starke, gefallene Frau mit dem Willen zum Neuanfang, und das Dasein auf dem Land als Spiegel einer brüchigen bürgerlichen Welt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2015

Der gesellschaftliche Abstieg einer Mode-Designerin in der Finanzkrise wird in Doris Knechts zweitem Roman "Wald" zum kunstvoll geschriebenen Modellfall eines modernen Lebenslaufs, berichtet Moritz Scheper. Letztendlich findet sich ihre Protagonistin Marian sogar in einem archaisch anmutenden Verhältnis mit einem Gutsherrn wieder, der sie im Gegenzug vor ihren Schuldnern versteckt, verrät der Rezensent. Die sorgfältige Wortwahl und gelegentliche Austriazismen geben dem Buch dabei einen lyrischen Beigeschmack, so Scheper.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2015

Jörg Magenau ist bitter enttäuscht von Doris Knechts drittem Roman. Die Geschichte einer Aussteigerin, die hier erzählt wird, hat für Magenau weder den Reiz und den Geruch von Einsamkeit, Wald und Wiese noch eine Bewegung, eine Entwicklung. Entsetzlich fad scheint dem Rezensenten die Figur Marian, die ihrem sinnentleerten Städterkreativdasein entkommt, um sich in einer Hüttenidylle wiederzufinden, aus der sie allerdings laut Rezensent auch keine Funken zu schlagen vermag. Vor dem Erinnerungsknast im "Dauerplauderton", den die Autorin für ihre Figur entwirft, sucht Magenau selbst das Weite.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.02.2015

Mit viel Lob bespricht Rezensentin Anja Hirsch Doris Knechts neuen Roman "Wald", der ihr eine moderne Version von Hans-Christian Andersens Märchen "Die roten Schuhe" erzählt. Hier ist es die Großstädterin Marian, die sich zu teure Designerschuhe leistet, schmerzgetrieben im Bett eines Mannes landet, nichts mehr riechen, sehen, spüren und hören kann und ein Genesungsprogramm voller Hunger, Einsamkeit und Kälte in einer Waldhütte erlebt, um eben jene Fähigkeiten wieder zu erlangen, berichtet die Kritikerin. Großartig, wie Knecht mit Rückblicken aus dem Leben ihrer Protagonistin ein schleichendes Unbehagen beim Leser erzeugt, Marian bei ihrer Transformation beobachtet und mit einer nüchternen, an Austriazismen reichen Sprache ihre bannende Wirkung aufbaut, lobt Hirsch, die der Autorin "gutes Handwerk" attestiert.
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