Aus dem Amerikanischen von Christa E. Seibicke. An einem kalten, grauen Novembermorgen wird in der Kadettenschule von San Martino der sechzehnjährige Ernesto Moro erhängt im Waschraum aufgefunden. Bringt sich ein so junger Mensch grundlos um? Oder vertuscht hier jemand etwas, um seinen guten Ruf zu schützen? Als die Polizei dies klären will, stößt sie auf eine Mauer des Schweigens: Die Ränge haben sich geschlossen. Niemand, weder die Lehrer noch die gedrillten Mitschüler, ja nicht einmal die Familie will Genaueres darüber wissen, doch Brunetti lässt jener Junge, dessen Vater Fernando Moro berühmt ist für seine politische Unerschrockenheit, nicht los. Selbst Vater, ruht er nicht, bis er die wahren Hintergründe aufgedeckt hat.
Rezensent Gerrit Bartels ist ziemlich angeödet von diesem formelhaft wirkenden, mittlerweile zwölften Kommissar Brunetti-Roman der Erfolgsautorin Donna Leon. Selbst dass am Schluss die Gerechtigkeit nicht siegt, findet er irgendwie vorhersehbar. Bartels bemängelt an diesem Roman vor allem die "Wiederkehr des immer Gleichen". Zudem findet er den Krimi schwarz-weißmalerisch und dazu noch recht bieder: "von Tempo, einem verzwickten Fall oder gar stilistischer Brillanz keine Spur". Der Leser wird eben durchgeschleppt - so fühlt sich zumindest unser Rezensent. Das ist zwar langweilig, aber doch nicht so richtig schlimm. Genervt ist Bartels dann aber, wenn Brunettis "wohlfeile Gesellschaftskritik" ins "Law-und Orderhafte" kippt und zum Beispiel beklagt wird, wie die mit den illegalen Flüchtlingen ins Land kommenden Probleme das venezianische Idyll bedrohen.
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