Dirk von Petersdorff liest Lieder und Songs als Gedichte. Sie sind "leicht" und "einfach", wie schon Herder feststellte, gehen aus der "reichen und für alle fühlbaren Natur hervor" und verbinden Sprache und Musik. Lieder und Songs sind in Lebensvollzüge eingebunden, und gerade in ihrer Einfachheit können sie komplizierte Gefühlszustände ausdrücken.
Dirk von Petersdorff untersucht drei Phasen der Geschichte des Lieds: Die Romantik von Clemens Brentanos Erfindungen alter Lieder bis zu Heinrich Heines Selbstparodien; die 1920er Jahre mit dem Witz der Comedian Harmonists, den Liebesexperimenten Marlene Dietrichs und den vielen Stimmen der Dreigroschenoper; die Gegenwart seit den 1970er Jahren von Udo Lindenbergs Wiedereinsatz, über die skeptischen Songs von Tocotronic bis zu den Erkundungen eines ungesicherten Ich bei Sven Regener, Judith Holofernes oder im Rap. Immer geht es um die Form von Liedern, also um ihre Rhythmik oder den Einsatz von Reimen, aber ebenso um den historischen Zusammenhang, in dem sie entstehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.04.2017
Knapp und bissig bespricht Rezensent Burkhard Müller Dirk von Petersdorffs unter dem Titel "In der Bar zum Krokodil" erschienene Poetik des Liedes. Schon das einleitende Kapitel, in dem der Lyriker und Literaturwissenschaftler auf die Frage "Was ist ein Lied?" drei unterschiedliche Definitionen aus dem "Handbuch der literarischen Gattungen" anführt, ohne sich für eine als Arbeitsgrundlage zu entscheiden, gibt dem Kritiker Rätsel auf. Die Befunde, die Petersdorff dann zu einzelnen Texten, etwa von Eichendorff, Heine, den Comedian Harmonists, Udo Lindenberg oder Judith Holofernes liefert, erscheinen Müller zu allem Überdruss dann auch noch so "unbedarft", dass er sich an "gymnasiale Gedicht-Interpretationen" erinnert fühlt.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…