Durch das Internet verändern sich nicht nur die Vertriebswege, sondern auch die Inhalte des kulturellen Schaffens. Es gibt keine fertigen Werke mehr. Sie verflüssigen sich. Der Entstehungsprozess ist mindestens genauso interessant wie die Version, die am Ende vielleicht veröffentlicht wird als Buch, als Album, als Gemälde. Und mit der Veröffentlichung ist die Geschichte noch lange nicht zu Ende. Es kommt eine Diskussion in Gang, die wieder neue Versionen des Kulturprodukts hervorbringt. "Eine neue Version ist verfügbar" zeigt konsequent, wie die Digitalisierung die Kulturproduktion verändert: Die Leser sind über die Crowdfunding-Plattform startnext.de von der ersten Sekunde der Planung und beim Schreiben mit einbezogen. Das Buch entsteht in kollaborativer Zusammenarbeit von Autor, Unterstützern und Lesern.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 02.10.2013
Es ist nichts anderes als eine verborgene Kulturrevolution im Selbstversuch, die Dirk von Gehlen mit dem Buch "Eine neue Version ist verfügbar" vorgelegt hat, staunt Rezensent Kilian Trotier. Auf einer Crowdfunding-Seite warb er von dreihundertfünfzig Unterstützern insgesamt fünfzehntausend Euro ein und beteiligte dafür allesamt am Produktionsprozess, erklärt der Rezensent, er diskutierte mit ihnen, ermutigte sie zu Vorschlägen, korrigierte und änderte entsprechend. Genau hierin vermutet von Gehlen das Potenzial der Digitalisierung für den Buchmarkt, lernt Trotier, es gehe nicht nur um neue Vertriebswege und einen Wechsel vom Papier auf den Bildschirm. Von Gehlen glaubt an einen Wandel im Schaffensprozess selbst, Kultur sei ohnehin ein Prozess und kein Produkt, gibt der Rezensent wieder. Ob der Autor Recht behält, will Trotier nicht beschwören, aber jetzt sind erst einmal die Gegner der Modernisierung am Zug, meint der Rezensent, und die müssen jetzt zeigen, wie es denn anders ginge.
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