1942 begannen jüdische Wissenschaftler in Prag, unter Aufsicht der SS systematisch die Hinterlassenschaft der in Auslöschung begriffenen jüdischen Gemeinden zu sammeln und mit dieser das sogenannte "Jüdische Zentralmuseum" in den Synagogen einzurichten. Bis 1945 wurde im Zuge dieser Arbeiten die weltweit größte Sammlung von Judaica aufgebaut, die erst nach Kriegsende als "Jüdisches Museum Prag" für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde und die bis heute ein Anziehungspunkt für Touristen in Prag ist. Mit Hilfe von Puppen, die Menschen darstellten, die genau in diesem Augenblick vergast und erschossen wurden, sollte das "wirkliche jüdische Leben des Mittelalters und der Zeit bis zum Jahre 1848" veranschaulicht werden. Dabei verschränkten sich zwei scheinbar einander ausschließende Interessen: der Wille der Opfer, ein Überleben beziehungsweise wenigstens ein Gedächtnis zu sichern, und der Wille der Täter, die Opfer zu erniedrigen, zu berauben und zu vernichten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2001
Dem jungen Autor spricht Rezensentin Doris Schmidt das Verdienst zu, die Beteiligung sowohl der Nazis als auch der Angehörigen der Prager Jüdischen Gemeinde an der Entstehung des Jüdischen Museums zu Prag nachgewiesen zu haben. Die Objektivität, mit der in diesem Buch "einer der grausamsten Beweise für die Theorie der Identifikation mit dem Gegner" geführt und Hintergründe mittels erhaltener Dokumente und Quellen ausgeleuchtet werden, findet Schmidt erschreckend. Erschreckend deshalb, weil sie bei "Menschen, die den Zweiten Weltkrieg als Erwachsene erlebt haben, entsetzliche Erinnerungen wachruft." Ein Lob der Rezensentin - weil sie uns gleich darauf (stilistisch nicht ganz einwandfrei) erklärt, wie der Autor "mit dieser Distanz und mit seltener geistiger Disziplin, mit der er seine Phantasie hat zügeln können ... die Museumsarbeit für die jüdischen Wissenschaftler als 'stille Revolte gegen die Vernichtungspolitik' (sieht)."
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