Der medienkritische Diskurs ist über 2500 Jahre alt - und erhitzt noch immer die Gemüter. Dirk Rose geht der Frage nach, warum das so ist. Er entwirft im ersten Teil ein medien- und kulturtheoretisches Beschreibungsmodell der Medienkritik, um im zweiten Teil wichtige historische Stationen von Plato über Rousseau und Herder bis zu Adorno und aktuelle medienkritische Debatten Revue passieren zu lassen. Medienkritik erweist sich somit als eine große Konstante im Nachdenken über unser Wissen und wie es zustande kommt. Auseinandersetzungen um gegenwärtige Medienentwicklungen werden kontextualisiert und versachlicht, ohne sich auf diese beschränken zu müssen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2026
Für die hier rezensierende Kulturwissenschaftlerin Katharina Teutsch produziert Dirk Roses Buch über Medienkritik keine bahnbrechenden Ergebnisse. Umfangreich und sorgfältig betrachtet falle die Untersuchung verschiedener Formen des Phänomens in ihren historischen Kontexten zwar aus; von "allen möglichen Seiten" beleuchte der Germanist die gesellschaftliche Funktion von Medienkritik - ohne sich in die Kulturkritik zu bewegen, stellt Teutsch fest. Heraus komme dabei vor allem, dass die Skepsis gegenüber neuen Medien seit dem Buchdruck schon immer da war, dass diese Kritik auch maßgeblich innerhalb dieser Medien stattfand - so z.B. bei Karl Kraus' "Fackel" als "Gegenmedium" -, und dass deshalb aber auch gelte: eine sinnvolle Kritik etwa an Social Media müsse eben auch dort stattfinden, um die Leute zu erreichen, so Teutsch. Hinter solchen Fragen, die mehr mit der "Öffentlichkeit" zu tun haben, um die es ja geht, bleibt Roses Experten-Buch als Teil einer "alten Buchkultur" für die Kritikerin leider zurück.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.08.2025
Rezensent Thomas Groß bekommt vom Medienwissenschaftler Dirk Rose vor allem eine guten Überblick über die erstaunliche lange Geschichte der Medienkritik. Rose liefert Beispiele von Sokrates über Rousseau bis Kraus und Adorno. Wenn der Autor sich derart mit medienkritischen Denkmustern vertraut mit Medienkritik in der Digitalära befasst, wird es leider etwas dünn, stellt Groß betrübt fest. Für die Beschreibung der gegenwärtigen Situation und der Aufgaben von Medienkritik nimmt sich Rose nur wenig Raum. Hinkt die Theoriebildung der lichtschnellen Entwicklung der Medien-Updates vielleicht etwas hinterher? überlegt Groß.
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