Korbinian Frenzel, Julia Reuschenbach

Defekte Debatten

Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen
Cover: Defekte Debatten
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518474389
Taschenbuch, 318 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Gebäudeenergiegesetz, deutsche Staatsräson, Agrardiesel, Einwanderung - bei vielen Themen finden sich Beispiele für den dysfunktionalen Status Quo politischer Kommunikation, für die Unmöglichkeit, ergebnisoffener öffentlicher Meinungsbildung. Das ist gemeinhin der Befund: Die Debattenkultur in Deutschland ist in einem desolaten Zustand. Aus beteiligter Expertensicht analysieren die Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach und der Radiojournalist Korbinian Frenzel unsere Debattenfähigkeit. Sie ordnen das breite Tableau beteiligter Akteure, sie untersuchen, wer welchen Illusionen zum Opfer fällt. An welchen Defekten das Diskurssystem krankt, welche neuartigen Herausforderungen sich stellen. Um schließlich einen Ausweg aus der Misere zu skizzieren, um Ideen, Lösungen, konkrete Handlungsvorschläge einzubringen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2024

Rezensent Ronen Steinke bespricht zwei Bücher zur aktuellen Debattenkultur. Reichlich skeptisch blickt er dabei zunächst auf "Defekte Debatten" von Julia Reuschenbach und Korbinian Frenzel: Dass die Politikwissenschaftlerin und der Dlf-Kultur-Journalist, Jahrgang 1988 und 1978, darin eine Früher-war-alles-besser-Haltung aufgrund einer Umfrage beziehen, nach der sich heute nur noch 40 Prozent der Bevölkerung zur freien politischen Meinungsäußerung befähigt fühlen, während das 1971 noch 83 Prozent bejahten, findet Steinke schonmal wenig sinnvoll - sei doch die Aussagekraft dieses statistischen Vergleichs zu bezweifeln. Auch die ausgeprägte Larmoyanz mitsamt wehmütigen Lagerfeuer-Metaphern stößt ihm auf. In Teilen findet er die Ausführungen zwar einleuchtend und "lesenswert", aber insgesamt bleibt das Buch für ihn hinter der Realität einer Debattenkultur, die heute eben sehr viel pluraler und komplizierter sei als früher, zurück. Deutlich besser gefällt ihm da Svenja Flasspöhlers lockerer Essay "Streiten", in dem die Chefredakteurin des Philosophie Magazins von ihren Talkshow-Auftritten berichtet und über die eigene Beteiligung an einer "Verengung des Sagbaren" nachdenkt - für den Kritiker eine durchaus anregende Lektüre.

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