Aus dem Kroatischen von Alida Bremer. Nach dem erfolglosen Versuch, sich in Berlin zu verwirklichen, kehrt ein junger Schriftsteller in seine kroatische Heimat zurück. Hier verdient er sich seinen Lebensunterhalt als Rezeptionist in einem Hotel, ist aber vor allem darum besorgt, nicht jedes Klischee eines erfolglosen Künstlers zu erfüllen. Strauchelnd zwischen verlorenen Illusionen, zunehmender Gleichgültigkeit und einem älteren Liebhaber, erreicht ihn überraschend eine Nachricht seines Vaters, zu dem er nie eine enge Beziehung aufbauen konnte: Er liegt im Krankenhaus und sieht sich einer lebensbedrohlichen Diagnose ausgesetzt. Doch wie ist eine Annäherung möglich, wenn der eigene Vater seinen Sohn weder verstehen noch akzeptieren kann?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.12.2022
Rezensent Roland Zschächner schätzt, wie leichthändig Dino Pešut die "komplexe Gemengelage" der kroatischen Gesellschaft festgehalten habe. Denn in seinem Buch über einen jungen schwulen Kroatier, der mit finanziellen Sorgen, seinem Schwulsein, dem Verlassenwerden von Freunden und einer schwierigen Beziehung zu seinem Vater zu kämpfen hat, geht es implizit auch immer um die größere gesellschaftliche Entwicklung dieses Landes, analysiert Zschächner; nämlich um den Zerfall von patriarchalen Strukturen, die Traumata der Kriegsheimkehrer, die Emigration vieler junger Menschen. Wie Pešut unaufdringlich von all dem erzähle, in "direkter" Alltagssprache und mit temporeichen Dialogen, findet der Kritiker eindrücklich und "kurzweilig". Ein Buch, das der vermeintlich liberalen "Oberschicht" Kroatiens den Spiegel vorhalte, lobt Zschächner - dass der Roman dort bei allem Lob auch Kritik am offenen Umgang mit Homosexualität erntet, scheint er symptomatisch zu finden.
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