Aus dem Koratischen von Klaus Detlef Olof. Damir Karakaš erzählt die archaische Welt eines Bauernjungen.Es ist eine raue bäuerliche Welt, der ein Junge mit kindlichen Spielen und kleinen Fluchten trotzt. Von Geburt an schwer herzkrank, ist er nicht der Stammhalter, den sein Vater sich wünscht, und nicht die Arbeitskraft, die auf dem Hof, auf dem der Mangel regiert, benötigt wird. Die stumme Gewalt des rackernden und ständig hadernden Patriarchen ist allgegenwärtig, und weder die Mutter noch die Großmutter können den Jungen davor schützen. Aus der gottverlassenen kroatischen Provinz, die geprägt ist von Kühe-Hüten, von Aberglauben und Hexerei, von verdrehten Seelen und Tierärzten, die Menschen behandeln, sowie von schneelosen apokalyptischen Wintern, flüchtet sichder Junge in imaginierte Welten und unerfüllbare Berufsträume: Armeeoffzier, Basketballspieler, Bodybuilder, Bärentöter.
Die beeindruckte Rezensentin Doris Akrap hat der Roman von Damir Karakaš an Camus' "Fremden" erinnert. Sehr beklemmend wird hier die Geschichte vom herzschwachen Sohn eines kroatischen Bauern erzählt, der mit seinem Vater in einem winzigen, abgelegenen Dorf am Waldrand wohnt, so die Kritikerin. Das Kind sehne sich nach Liebe, aber für den Vater sei der Sohn, der nicht mit anpacken kann, eine einzige Enttäuschung. Der Autor nutzt Akrap zufolge selbst kleinste Details, um das Unbehagen des Sohnes allumfassend erscheinen zu lassen, auch bei einem Besuch in der Stadt fühle er sich beispielsweise fremd. Die Schilderung der harten Parallelwelt der Hinterwäldler auf dem Balkan werde so zur "Parabel auf die Absurdität der menschlichen Existenz", lobt die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.08.2019
Norbert Mappes-Niediek freut sich schon auf mehr von Damir Karakas. Dessen aktuell übersetzter Roman, eine archetypische, episodisch erzählte Nachkriegsdorfgeschichte aus Kroatien um einen Macho-Vater und seinen kränklichen, aber mit einigem Lebenswillen ausgestatteten Sohn, überzeugt ihn mit einfacher, reicher Sprache und der Wucht einer antiken Tragödie. Die "Ruinen der Vergangenheit" und die "Etappen des Fortschritts" bilden bei Karakas einen faszinierenden Hintergrund, findet der Rezensent.
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