Dietmar Dath

Die salzweißen Augen

Vierzehn Briefe über Drastik und Deutlichkeit
Cover: Die salzweißen Augen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518417072
Gebunden, 216 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Damals in den "klebrigen siebziger Jahren", wollte Sonja wissen, was David an Heavy Metal, an Zombie- und Pornofilmen und Horrorcomics denn fasziniere. Jetzt, in den Briefen, holt er aus, zitiert Gräßliches und definiert theoretisch. Doch angetrieben wird seine Erklärung von der eigenen Geschichte: einem kaputten Elternhaus, der Sonjafixierung, Drogenerfahrung, einem Zusammenbruch.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2006

Liebesbriefe ohne Liebe habe der Autor zu einem Roman zusammengefügt, schreibt ein ernüchterter Rezensent, wobei die mögliche Perspektive der angeschriebenen Sonja von vornherein ausgespart bleibt. In nahezu "klinischer Manier", so Wolfgang Lange, proklamiere der Briefeschreiber vor der unerreichbaren Geliebten seine Weltanschauung einer Ästhetik der drastischen Lebensäußerungen. In einer Art "Manifest wilden Denkens" fasse der Briefautor die "mentale Grundausstattung" der Pop- und Subkultur zusammen, nach der, so der Rezensent, alles Obszöne und Exzessive zur letzten Möglichkeit nicht nur der Lustgewinnung, sondern auch der Aufklärung erhoben wird. Für den Rezensenten zieht eine solche einseitige "Perspektive des zornigen jungen Mannes" neben der philosophischen auch eine literarische Schwäche mit sich. Zwar werde der dargebotene Theorieverschnitt durchaus "scharfsinnig" und "kenntnisreich" vorgetragen, doch habe das rücksichtslose und "brutale" Denken auch die Sprache infiziert. "Furchtbar deutsch" und kompromisslos, resümiert Rezensent Wolfgang Lange, und wahrscheinlich genau die richtige Lektüre für diejenigen, die auch die Diskurs-Romane eines Thomas Meinecke lieben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.11.2005

Christoph Bartmann gestattet sich, mit Bewunderung auf den Kollegen Dath zu blicken, dieses "journalistische Aggregat des zeitgenössischen Wissens". Den Wissenschaftshistoriker, Heavy-Metal-Fan, Denker in den Seitenstraßen von Pop- und anderer Kultur und dort, wo andere Unkultur vermuten. Den Autor dicker Romane. Alles gehört zusammen, und wer sich beim Lesen von Daths Artikeln fragen mag, wie der Mann zu seinen Themen kommt, der lese dieses Buch, in dem laut Bartmann das Kunststück gelingt, die "körperlosen Ansichten des Feuilletons in glaubhaftes Figurendenken und -reden zu verwandeln". In "Lebensäußerung". Der Protagonist, rechtfertigt in seinen Briefen an eine stumm bleibende Angebetete aus der Schulzeit seine Liebe zur "Drastik" - Horror, Porno, Krach, Hauptsache Hardcore - als "Sympathie für die illegitimen Kinder der Vernunft". Bartmann ist überzeugt, und er ist sogar berührt. Sein Fazit: "Glücklicher hat der Übersprung vom Journalismus zur Literatur in letzter Zeit selten funktioniert."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.10.2005

Zum Staunen bringt dieser essayistisch angelegte Roman den Rezensenten Andreas Merkel in jedem Fall - auch wenn er nach der Lektüre ebenso beeindruckt wie befremdet über den Autor konstatiert: "Dietmar Dath hat und ist als Autor ein Problem." Recht vollmundig schiebt er allerdings gleich zur Relativierung hinterher: "Aber es könnte das beste Problem sein, mit dem sich in diesem Bücherherbst auseinander zu setzen lohnt" - auch wenn es die eine oder andere "steile These" zu verdauen gilt. David, der Protagonist und Verfasser dieser insgesamt 14 Briefe über drastisch anmutende kulturelle Ausdrucksformen - von Splatterfilmen und Pornos und Death Metal - ist in den Augen Merkels eine Art Alter Ego des Verfassers. Dementsprechend mühsam ist es, sich in seine Sicht der Dinge einzuarbeiten. Worin seine Denkspur führt, wird laut Rezensent erst allmählich deutlich, auf "quälende, zunehmend aber auch spannende Weise" Gleichzeitig wird die Kluft zwischen den "hochästhetischen Reflexionen" des Erzählers und der "seltsam stuckrad-barresken Liebesgeschichte" immer größer. Hoch anzurechnen ist Dath nach Meinung des Rezensenten aber, dass er seinen Protagonisten sehenden Auges ins Unglück rennen lässt anstatt die sich auftuenden Abgründe zuzukleistern.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Nadja Geer empfiehlt Dietmar Daths "zunächst etwas vatihaft abgeschmackt" wirkenden Briefroman all jenen als "prächtiges Kanonenfutter", die sich mitten hinein stürzen wollen in die Kämpfe um Moderne und Poststrukturalismus, politische Korrektheit und Neoliberalismus und noch einiges andere, die innerhalb der Linken in Deutschland gerade wieder ausgetragen werden. Natürlich enthielten die vierzehn Abhandlungen über "Drastik und Deutlichkeit", die Dath einen Heavy-Metal-hörenden jugendlichen Intellektuellen an ein "braves" Mädchen schreiben lässt, auch wieder viel "Anekdotisches und Sektiererisches" vornehmlich zum Popbetrieb, aber der Autor lasse sich nicht ablenken von seinem eigentlichen Ziel, den Konflikt zwischen Geist und Gefühl im Allgemeinen und das Verhältnis seines "zuweilen manischen" Protagonisten zu seinen Mitmenschen im Besonderen zu klären. Als Bonbon bekommt der Leser nebenbei mehr über den Forschungsstand zur populären Kultur mit als aus einer "Cultural Studies-Anthologie", versichert Geer. "Manchmal sogar mehr als einem lieb ist."
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