Dieter Hildebrandt - frei und unformatiert - "Es gab", so der Autor, "ein Leben vor dem Fernsehen, es gibt eins nach ihm. Das nach ihm ist freier und fröhlicher, denn es ist nicht 'formatiert'. Vor der feindlichen Übernahme des menschlichen Tagesablaufs durch das Fernsehen haben wir das Wort Format mehr von der Qualität bestimmt verstanden." Nach dem Ausscheiden aus dem Fernsehgeschäft braucht Dieter Hildebrandt sich nur noch um sein eigenes Format zu kümmern, das Format als Buchautor, was er auf seinen Lesungen in den vorangegangenen Jahren mit großem Erfolg getan hat. Aufgetreten ist er in schmucklosen Sälen, ohne Bühnenbild, ohne Kostüm und ohne Rhythmusgruppe, nur er und sein Buch, aber er wusste, dass auch im freudlosesten Saal ein Publikum von Format saß.
Allenfalls "trotzig" findet Harald Martenstein den Titel, und auch ansonsten hat er wenig Gnade mit Dieter Hildebrandt und dessen "Tourneetagebuch". Hildebrandt ärgere sich über alles, "worüber sich fast jeder ärgert", was das Buch nicht interessanter macht, eher "ein bisschen langweilig". Zum Nachdenken regt es nicht an, meint Martenstein, das einzige, was man daraus lernen könne ist, dass Ärger ein "stark klischeegefährdetes Gefühl" ist, und dass man sich ab und zu auch einmal freuen sollte, sonst wird das Leben "allzu fad". Die Fronten sind geklärt, man weiß gleich, wer die Bösen und wer die Guten sind. Die besten Passagen sind für den Rezensenten dann auch diejenigen, in denen Hildebrandt mit etwas Neuem fertig werden muss. Ansonsten verbreitet das Buch jene Art von "wehleidiger Wohlanständigkeit", wie man sie von einem "alten Doris-Day-Film" kennt.
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