Dieter Forte

Schweigen oder sprechen

Essays
Cover: Schweigen oder sprechen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783100211132
Pappband, 96 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Volker Hage. Die Welt, in der man aufwächst, wird zum Maßstab für die ganze Welt. Doch was, wenn dieser Augenblick, der über unser Leben entscheidet, geprägt ist von Zerstörung, von Verschwinden? Um diese Frage kreist die große Romantrilogie Dieter Fortes, "Das Haus auf meinen Schultern", einem europäischen Familienepos, das in den Ruinen unseres Jahrhunderts seinen Fluchtpunkt findet. In "Schweigen - oder sprechen?" gibt Dieter Forte in einem langen Gespräch Auskunft über diese Arbeit, die das Unaus- und Unangesprochene unserer jüngsten Vergangenheit berührt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2002

Lothar Müller ist von dem "schmalen" Band mit Interviews, Prosastücken und Rezensionen des Schriftstellers Dieter Forte beeindruckt. Denn darin schreibe der 1935 in Düsseldorf geborene Forte, über den Krieg, der seine Kindheit bestimmt hatte. Der Band ist der Abschluss der Trilogie "Das Haus auf meinen Schultern", informiert der Rezensent, der die Entmachtung oder das Ausgesetztsein des Kindes gegenüber den Schrecken des Krieges besonders ergreifend in Fortes Wahl des unpersönlichen "man" beschrieben sieht. Denn das "man" drücke nicht nur eine "Entlastung" der Schwere der Erinnerung aus, sondern darin steckt gerade, ist Müller überzeugt, das "Historische": nämlich das Wissen darum, ein Rad im kollektiven Schicksal zu sein. Fortes "man", so der Rezensent, ist keine "sprachliche Ausweichbewegung", sondern Ausdruck der Entfremdung und eines "Massenschicksals", über das die meisten Deutschen schweigen würden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2002

Dieter Forte ist zwar Experte für historische Stoffe, erinnert Sven Hanuschek, man denke an sein Luther-Stück, aber er brauchte lange, bis er über die persönlich erlebte Historie schreiben konnte, das Trauma der Luftangriffe im 2. Weltkrieg. Zuletzt gelang es Forte mit seiner Trilogie "Das Haus auf meinen Schultern", klärt Hanuschek die Leser auf, sich an diese tramatischen Erlebnisse heranzutasten. Das autobiografische Substrat der Trilogie erkläre sich nun aus Fortes neuem Buch, erläutert der Kritiker. "Schweigen oder sprechen", eine Frage, die Forte weiterhin umtreibe und für die er keine diskursiven Lösungen, sondern nur erzählerisch einmalige Entsprechungen gefunden habe, ist laut Hanuschek ein Gattungsgemisch aus Werkstattgespräch (mit dem Herausgeber Volker Hage), Essays, Rezensionen (über Sebalds "Luftkrieg") und einem Auszug aus Fortes neuem Roman, der das Thema der Trilogie fortschreibe, aber auch deutlich außerhalb stehe, wie Hanuschek verkündet. Die von Forte essayistisch verkündete Sprachskepsis sei in dieser Prosa nicht mehr zu spüren, meint Hanuschek, der eine ungewöhnliche Opulenz der Bilder und Musikalität der Sprache "conradisch, brochisch, faulknerisch" wogen und wuchern sieht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2002

Der Bombenterror des Zweiten Weltkriegs ist nach Thomas Kraft das Lebensthema Dieter Fortes, das dieser auch in seiner Romantrilogie "Das Haus auf meinen Schultern" abgearbeitet hat, indem er versuchte, Erinnerungen zu evozieren, um an die tiefsten Schichten seiner Erinnerung zu gelangen. Die Qual besteht weiter, das Entsetzen ist nicht gewichen, weiß Kraft nach Lektüre dieses kleinen Bandes. In Prosatexten und kleinen Rezensionen des Autors sowie durch ein Interview mit dem Herausgeber Volker Hage entwirft Forte darin eine kleine Poetik des Schweigens und Schreiben. Forte rufe noch einmal das Schreckensbild jener Düsseldorfer Bombennächte in Erinnerung und äußere sich außerdem über verschiedene Schreibstrategien zur Vergangenheitsbewältigung. So erkläre er das "duale Erzählen", das eine Innen- und Außenperspektive gleichzeitig zusammenzubringen versucht, aus eigener Erfahrung für unzureichend. Auch W.G. Sebalds "nachgestellte Schreibmethode" sei letztlich zum Scheitern verurteilt gewesen.

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