Am 11. Jänner 2007 wurde Alfred Gusenbauer als Bundeskanzler der Republik Österreich angelobt. Für welche Politik, Ideale und Ideologie steht der neue Bundeskanzler und in welche Richtung wird er gehen? Steht die Sozialdemokratie nach dem sich nun endgültig abzeichnenden Ende des so genannten "Dritten Wegs" vor einer neuen Ausrichtung? Wohin bewegen sich die Sozialistische Internationale und auch die Europäische Sozialdemokratie, deren führende Vertreter Mitte der 90er den Dritten Weg formuliert haben? Sind sie mit dem Versuch, die "neoliberale Hegemonie gleichzeitig aufzugreifen und zu konterkarieren", wie es Alfred Gusenbauer einmal formuliert hat, gescheitert? Die neoliberale Doktrin wird von der Lebenswirklichkeit und der Erkenntnis der Menschen über deren Auswirkungen auf ihr Leben abgelöst. Das alltägliche Leben vieler hat sich selbst in den westlichen Wohlstandsländern ins Schlechtere gewendet. Soziale Netze werden in einem ersten Schritt durchlöchert, um in der Folge für obsolet erklärt zu werden. Der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft, Generationenvertrag, Rechtsstaatlichkeit, Grundrechtsgarantien usw. werden in Frage gestellt. Hand in Hand damit geht die flächendeckende Resignation der politisch Handelnden, wonach man dagegen eben nichts machen könne - schon gar nicht auf nationaler Ebene. Wozu aber gibt es dann überhaupt noch Politik, wenn ihre oberste Denk- und Handlungsmaxime die vorauseilende Resignation ist? "Die Wege entstehen im Gehen." Dieses Wort des großen spanischen Dichters und Philosophen Antonie Machados hat Alfred Gusenbauer zu seinem Lebensmotto gewählt. Wie die Wege einer Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert verlaufen könnten, legt der österreichische Bundeskanzler im Gespäch mit Katharina Krawagna-Pfeifer erstmals seit seiner Angelobung als Regierungschef ausführlich dar.
Ausnehmend gut hat Rezensent Peter Unfried dieser Band gefallen, der den österreichischen Kanzler Alfred Gusenbauer im Gespräch mit Katharina Krawagna-Pfeifer und Armin Thurnher zeigt. Zwar ist Gusenbauers Große Koalition vor knapp zwei Wochen gescheitert, weshalb Gusenbauer bei Neuwahlen nicht mehr antreten will. Die Frage drängt sich also auf, wer dieses Buch jetzt noch braucht. Aber Makulatur ist es nach Ansicht des Rezensenten nicht, eher ein "historisches Dokument", wie Thurnher sagt. Für Unfried spielen derlei Überlegungen eher eine Nebenrolle, scheint ihm die Lektüre des Buchs doch sehr lohnend. Er kann es jedenfalls nur empfehlen, zumal ihm kein deutschen Politiker um die 50 einfällt, der "derart politiktheoretisch, kulturell und geschichtlich gebildet zu denken und reden in der Lage wäre". Interessant findet Unfried aber nicht nur Gusenbauers politische Ansichten zum Beispiel zu Europa, sondern auch seine Biographie bzw. wie er sie erzählt. Sein Eindruck: ein "richtig sympathischer Angeber". Besonders hebt Unfried schließlich die "großartigen Aphorismen" hervor, die der Politiker auf Lager hat.
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