Die Sympathie der Goldfische

Neue Erzählungen aus Südkorea
Cover: Die Sympathie der Goldfische
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518417195
Broschiert, 287 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Friedhelm Bertulies. Die vier Erzählungen einer Autorin und eines Autoren, die zu den bedeutendsten der südkoreanischen Gegenwartsliteratur gehören, berühren Ereignisse, die Schreibende wie Lesende im heutigen Korea ganz unmittelbar betreffen, selbst dann, wenn sie - wie der Krieg Nord gegen Süd oder die studentengeführte Oppositionsbewegung gegen die Militärdiktatur - bereits in die jüngste Geschichte des geteilten Landes eingegangen sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2006

Recht bedrückt hat Rezensentin Marion Löhndorf diese Sammlung mit Erzählungen südkoreanischer Autoren beiseite gelegt. Denn die vier Schriftsteller, Löhndorfs Informationen zufolge zwischen 1930 und 1960 geboren, zeichnen darin ein ausgesprochen trübes Bild ihres Landes. Für alle Erzählungen gleichermaßen typisch sei die Schilderung "auswegsloser Ereignisse" und Situationen. Individualität und Freiheit werde von den Figuren stets nur "ex negativo" erlebt. Der Schriftsteller Yi Munyol schildere unerträgliche Umstände beim Militär. Park Wan-Seo erzähle von den Spuren der Traumata aus dem Koreakrieg in der Gegenwart. Die Titelerzählung von Lee Changdong frage nach den Möglichkeiten eines "moralisch richtigen" Lebens unter den Bedingungen der Diktatur. Auch Choi In-Suk verhandele Fragen der Moral unter den Bedingungen einer Gesellschaft, in der die Freiheit des Einzelnen keine Rolle spielt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.10.2005

Ijoma Mangold hat zwei Bände mit Erzählungen aus Korea gelesen und stellt fest, dass man sich bei aller Fremdheit gegenüber der koreanischen Kultur "schnell und mit Gewinn" in diese Literatur "hineinliest". Bei dem Band "Die Sympathie der Goldfische" widmet sich Mangold ausschließlich der Erzählung "Befestigter Gesang" von Yi Munyol , die er als "ungewöhnlichste Kriegsdarstellung der Weltliteratur" apostrophiert. Hier wird eine Schlacht in "kältestem Realismus" "ad absurdum" geführt, wobei der eigentliche "Abgrund" dieses Textes in der "Unerbittlichkeit" der "Kriegsdarstellung" liegt, so der Rezensent beeindruckt. Die Erzählung schlage seine Leser in den Bann und verunsichere ihn gleichzeitig, indem sich nämlich herausstellt, dass die geschilderte Schlacht tatsächlich nur ein Übungs-Manöver darstellt, das aber nichtsdestotrotz echte Opfer fordert, so Mangold weiter. Er preist die Erzählung als "brillantes Stück Literatur" und würdigt Yi Munyol als "vielleicht bedeutendsten koreanischen Schriftsteller der Gegenwart". Am Ende sagt er doch noch ein Wort zum Band insgesamt, nämlich, dass er eine "ausgezeichnete" Einführung in die südkoreanische Literatur bietet und dass die Erzählungen darin "durchaus passabel" ins Deutsche übersetzt sind.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Wenn Ludger Lütkehaus etwas auszusetzen hat, dann höchstens an den deutschen Titeln der Geschichten (der Kurzromane, eigentlich): Die sind ihm allesamt zu hübsch und harmlos, schließlich sind die Erzählungen selber gar nicht hübsch, sondern recht drastisch und trostlos. Was sie noch verbindet: der literarische Realismus, den Lütkehaus immer noch vorherrschende Darstellungsform der Literatur Koreas ausmacht - kein Wunder, geht es doch zumeist um die politisch-historischen Themen, die das koreanische 20. Jahrhundert determinierten. Kein Privatismus also, sondern "relevanter Realismus", wie er hier nur in versponnenen Pamphleten vorkommt: Yi Munyol beschreibt "scharfsichtig" die Institution der Armee, Lee Changdong schreibt ein "koreanisches Kain-und-Abel-Drama" über Anpassung und Subversion, Choi In-Suk zeigt die Kluft zwischen Arbeitern und linken Ideologen auf, und Park Wan-Seo beschreibt - im "literarisch bedeutendsten" Stück der Sammlung - anhand der Geschichte einer "unwürdigen Greisin" das Drama der Koreakrieges.
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