Im Dezember 1996 hat der Schweizerische Bundesrat die Unabhängige Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg eingesetzt. Diese hatte den Auftrag, die Rolle der Schweiz in der Zeit des Nationalsozialismus in historischer und rechtlicher Hinsicht zu untersuchen. Es ging um Finanz- und Handelstransaktionen, in der Schweiz liegende Vermögenswerte, Raubkulturgüter und Flüchtlingspolitik im Rahmen eines internationalen Systems, das von der nationalsozialistischen Kriegs- und Raubwirtschaft sowie seiner Vernichtungspolitik geprägt war. Der Schlussbericht ist ein entscheidendes Dokument zur europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er zeigt, wie tief die neutrale Schweiz in die Machenschaften des Nationalsozialismus verstrickt war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.07.2002
Niemand werde mehr an dem Mythos festhalten können, die Schweiz sei ein kleiner neutraler Staat gewesen, der eingekreist von den Achsenmächten jeglicher totalitärer Versuchung widerstand. Dagmar Pöpping, die in ihrer Besprechung eine gut nachvollziehbare Einführung in das Thema gibt, ist daher ausgesprochen zufrieden mit dem Abschlussbericht der unabhängigen Schweizer Expertenkommission, die beurteilen sollte, wie weit die Schweiz in Krieg und Holocaust involviert war. "Die Schweiz brach geltendes Neutralitätsrecht, übernahm eine rassistische Gesetzgebung aus Deutschland und blockierte nach dem Krieg lange die Restitution jüdischer Vermögen", außenpolitisch und wirtschaftlich galten ihre Interessen der Kooperation mit Nazi-Deutschland. Und vor allem die Abweisung jüdischer Flüchtlinge zeige das Versagen der konservativen Eliten, fasst Pöpping die Ergebnisse zusammen. Ganz neu sei dies alles natürlich nicht, die politische Bedeutung des Berichts sei jedoch eminent, denn mit ihm vollziehe die Schweiz eine offizielle Revision ihres Geschichtsbildes. Pöpping bedauert allein, dass sich das Schlusskapitel, statt harte Urteile zu treffen, mit so weichen Formel wie "erinnern, mahnen, Verantwortung thematisieren" begnüge.
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