Der Neid - für die katholische Kirche eine Todsünde und auch sonst als böse und destruktiv verschrien - ist eine basale menschliche Regung, die sich vor allem in der westlichen Welt zu einer Art Sozialcharakter ausgebildet hat und Geschichte machte. Man gab ihm allerdings neue Namen: einerseits Wettbewerb, andererseits Umverteilung. Sowohl der Konkurrenzkapitalismus als auch die Arbeiterbewegung lassen sich als neidgeboren und neidgesteuert bezeichnen. Ob im Verhältnis von Individuen, Klassen oder Ethnien: die Privilegierten müssen begreifen, dass es ein Menschenrecht auf Neid gibt. Man sollte diesen 'inneren Inder' kultivieren, nicht unterdrücken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.04.2001
Herbert Riehl Heyse beruhigt uns: Mit diesem Heft zur Neidgesellschaft ist das notorisch linksliberale Kursbuch keineswegs in die Kampfgemeinschaft von FDP und BDI eingetreten. Bereits im Einleitungs-Essay, erklärt er, würden "dem galligen Neid die Giftstoffe weitgehend entzogen". Fortan bewege sich das Heft in einem Spannungsfeld zwischen Neid-Verdammung einerseits und dem Verständnis für sein Auftauchen andererseits. Zu der somit gegebenen Widersprüchlichkeit der versammelten Aufsätze untereinander möchte der Rezensent gerne gratulieren - nicht ganz neidlos versteht sich.
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