Herausgegeben von Stefan Andriopoulos, Gabriele Schabacher und Eckhard Schumacher. Von Medien sprechen wir alle: Kommunikationsmedien oder Massenmedien, Wahrnehmungs- und Speichermedien, Analog- und Digitalmedien. Wie aber lassen sie sich beschreiben? Wo lassen sie sich verordnen? Internet, E-Mail und andere elektronische Medien lösen räumlich bestimmbare Adressen im Informationsraum des global village auf. Gleichzeitig entsteht jedoch eine neue elektronische Adressenordnung. Die Adresse des Mediums diskutiert Medien als Effekte und Bedingungen von Adressierbarkeit in kulturwissenschaftlicher, historischer und kulturvergleichender Hinsicht. Aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen beleuchten die Beiträge die technischen und die soziokulturellen Veränderungen und bündeln die medientheoretischen Debatten der letzten Jahre.
In einer Sammelrezension bespricht Sebastian Handke die drei ersten Bände der beim DuMont-Verlag herausgegebenen Reihe "Mediologie". In seinem sehr angeregten Text macht er erst mal klar auf welchen großen Vorläufern die neuen geisteswissenschaflichen Ansätze beruhen, die hier vorgestellt und erprobt werden: Friedrich Kittler mit seiner "hardwareverliebten" Medientheorie und Niklas Luhmann mit seiner Systemtheorie. Handke legt dar, dass diese Theorien völlig ohne handelndes Subjekt auskommen (der "Mensch" und seine mögliche individuelle Verantwortung für seine Handlungen waren in der Nachkriegszeit aus der Mode gekommen) und dass neuere Kultur- und Geisteswissenschaftler dieses Subjekt ihrer klassischen Wissenschaften wohl doch zurückerobern wollen, ohne ganz hinter die Neuerer zurückzufallen. In allen drei bisher erschienenen Bänden - "Die Adresse des Mediums", "Schnittstelle" und "Medien der Präsenz" - findet Handke hier vielversprechende Ansätze, wobei er konkrete Untersuchungen dem "Philologenkram" und der "literaturwissenschaftlichen Nabelschau" bei weitem vorzuziehen scheint. Er verweist hier positiv auf einen Beitrag von Oliver Grau über das Panorama der Sedan-Schlacht im wilhelminischen Berlin oder auf Matthias Bickenbachs Text über das "Dispositiv des Fotoalbums" im Band "Medien der Präsenz". Weniger ernst nehmen mochte er Wolfgang Ernsts Absage an die Hermeneutik im Band "Schnittstelle", die er nur als lauwarme Wiederholung der Kittler-Thesen empfindet. Mit Zustimmung zitiert Handke da eher Bernhard Dotzler, Erhard Schüttpelz und Georg Stanitzek, die in "Die Adresse des Mediums" die "Allgemeinheiten" ablehnen und auf "pointierteBefunde" in ihrer neuen Wissenschaft pochen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.11.2001
Das Buch als Werkzeugkasten, aus dem man nach Belieben nur technische Anweisungen oder auch theoretische Erörterungen herausgreifen kann, so charakterisiert Konrad Lischka diesen Sammelband verschiedener Medientheoretiker- und praktiker, den die Herausgeber unter die programmatische Überschrift "Die Adresse des Mediums" gestellt haben. Denn weder ließen sich (im Internet-Zeitalter) Individuen wirklich adressieren, noch sei das Medium selbst adressierbar, erläutert Lischka ihre Arbeitshypothese. Im Mittelteil des Buches versteckt hat er den Aufsatz "Der Mehrwert der Bilder" von W.J.T. Mitchell gefunden, der seiner Meinung nach Einleitung und Schlusswort des Buches liefert. Mitchell entwickelt, so Lischka, Luhmanns Kommunikations-Theorie weiter, indem er davon ausgeht, dass unsere Beziehung zu den Medien die einer wechselseitigen Konstitution ist. Im Grunde also geht das Buch - unter einen neuen und für Lischka überzeugenden Perspektive - der alten Frage nach: Schaffen wir die Bilder oder schaffen die Bilder uns?
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