Luise ist klug, Luise ist unabhängig, Luise ist eine Insel. Als Meeresbiologin hat Luise sich einen exzellenten Ruf erarbeitet, ihr Spezialgebiet: die Meerwalnuss, eine geisterhaft illuminierte Qualle im Dunkel der Ozeane. Als Luise für ein Projekt mit einem renommierten Tierpark nach Graz reisen soll, zögert sie nicht lang. Doch Graz, das ist auch ihre Heimatstadt, das ist die Wohnung ihres abwesenden und plötzlich erkrankten Vaters. Und das ist die Geschichte einer jahrelangen Sprachlosigkeit und Fremdheit zwischen ihnen.Soghaft und strömend erzählt Marie Gamillscheg von der allmählichen Befreiung aus den Zwängen der eigenen Kindheit, des eigenen Körpers und aus den Gesetzen, die andere für einen gemacht haben. Es ist zugleich der Versuch, die Unmöglichkeit einer Beziehung zu erfassen: zwischen Mensch und Tier, Mann und Frau, Vater und Tochter.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.2022
Rezensent Claus-Jürgen Göpfert verliert beim Lesen von Marie Gamillschegs neuem Roman beinahe den Halt, denn die 30-jährige österreichische Autorin erzählt darin in verdichteter, poetischer Sprache von der Meerwalnuss-Quallen-erforschenden Wissenschaftlerin Luise, die nach einem Angebot zur Zusammenarbeit mit einem alten Tierpark zurück in ihre Heimat, und damit in die Nähe des ihr in jungem Alter möglicherweise zu nahe gekommenen Vaters kehrt. Das alles spielt in Graz, ebenfalls Heimatstadt der Autorin, weiß Göpfert, die mit ihren Bewohnern in diesem Buch als kleinbürgerlich karikiert wird. Nicht alle Handlungsstränge laufen am Ende zusammen, doch der Rezensent freut sich über den Freiraum, so über das Romanende hinaus denken zu können. Für Göpfert ist Gamillscheg jedenfalls eine "interessante Stimme" der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.04.2022
Rezensentin Anne Seidel taucht gerne mit Marie Gamillscheg in familiäre und ozeanische "Untiefen". In ihrem neuen Roman geht es um die Meeresbiologin Luise, die eine eigentümliche Faszination für eine allgemein als Plage aufgefasste Quallenart hegt, und um ihre persönlichen und familiären Probleme wie Konkurrenzdruck bei der Arbeit, Essstörungen und eine erkaltete Beziehung zum Vater. Wie die Autorin davon erzählt, in einem fast "lyrischen" Gedankenfluss, der den Leser aber immer wieder an besonders auffälligen Sätzen verharren lasse, findet die Kritikerin ansprechend. Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen, Sinnfragen stellen sich, Antworten bleiben aus - im Ergebnis ein "sehr kunstvoller zweiter Roman", schließt Seidel anerkennend.
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