Herausgegeben von Alexander Prenninger, Regina Fritz, Gerhard Botz und Melanie Dejnega. "Europa in Mauthausen" stellt erstmals umfassend die Geschichte der Überlebenden eines nationalsozialistischen Konzentrationslagers dar. Diese beruht auf einer einmaligen Sammlung von über 850 lebensgeschichtlichen Interviews mit Überlebenden aus ganz Europa, Israel, Nord- und Südamerika. Der zweite Band "Deportiert nach Mauthausen" geht der Frage nach, auf welche Weise Häftlinge aus zahlreichen europäischen Ländern in den KZ-Komplex Mauthausen gebracht wurden. Die Deportationen, die Transfers von Häftlingen innerhalb des gesamten NS-Lagersystems und die Todesmärsche führten zu einem ständigen Wandel in der Binnenwelt der Konzentrationslager. Trotz der Allpräsenz des gewaltsamen Todes weichen die Schicksale der KZ-Insassen daher beträchtlich voneinander ab. Die Pluralität der Erfahrungen der Überlebenden und die vielfältigen Analyseansätze der Autoren und Autorinnen dieses Bandes bilden die Grundlage für ein neues, vertieftes Verständnis der "Häftlingsgesellschaft".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.09.2021
Rezensent Carlo Moos liest die ersten beiden Bände des editorischen Großprojekts "Europa in Mauthausen" mit Erschüttterung. Die Gespräche mit Zeitzeugen machen ihm die "gebrochenen Wege" der Häftlinge in das Lager nachvollziehbar, das nach den dezidierten Vernichtungslagern die höchste Todesrate aufwies. So unglaublich der Aufwand des Projekts ihm erscheint, so überrascht ist Moos von der Systematik und Gründlichkeit der Ausführung. Die Aufzeichnung der verschiedenen politischen, geografischen und biografischen Herkünfte der Häftlinge ergeben laut Rezensent ein einzigartiges lebensgeschichtliches Panorama. Die Schilderungen des Lagers und der Transporte sind für ihn allerdings nur schwer zu ertragen.
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