Dennis Bock

Blüten aus Asche

Roman
Cover: Blüten aus Asche
Rowohlt Verlag, Reinbek 2003
ISBN 9783498006235
Gebunden, 350 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sabine Hedinger. Ein deutscher Wissenschaftler, der heimlich nach Amerika flieht und dort eine wichtige Forschungsaufgabe übernimmt. Eine junge, heimatlose Jüdin auf einem Schiff im Atlantik. Ein japanisches Mädchen, das an einem Flussufer spielt, als ein einsames Flugzeug am Horizont auftaucht. Drei Schicksale, durcheinandergewirbelt vom Zweiten Weltkrieg, doch verbunden durch ein unvorstellbares Ereignis. Denn der Forscher ging nach Los Alamos, die Jüdin landete in einem amerikanischen Flüchtlingscamp, und das japanische Mädchen lebte in Hiroshima.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2003

Sichtlich beeindruckt zeigt sich der Rezensent Jürgen Brocan von dem Erstling des kanadischen Autors Dennis Bock, in dem sich drei Schicksale um den Abwurf der Atombombe über Hiroshima verflechten: zum einen der deutsche Wissenschaftler Anton Böll, der an der Entwicklung der Bombe gearbeitet hat, und der über deren Auswirkung nicht hinwegkommt, zum anderen das jüdische Mädchen Sophie, dessen Flucht in einem kanadischen Flüchtlingslager endet und zuletzt die Japanerin Emiko, der die Bombe das Gesicht wegbrennt. Diese drei "Lebenslinien", so der Rezensent, kreuzen sich als Emiko Jahre später eine journalistische Aufarbeitung der Geschehnisse vornimmt. Authentisch wirken die Charaktere deshalb, lobt der Rezensent, weil sie nie als "Sprachrohr für ideologische Ansichten" missbraucht werden, sondern in einem "komplizierten, unmenschlichen Geflecht von Schuld und Schuldlosigkeit" gefangen sind. Und diese Komplexität sei es auch, so Brocan, die jegliche Sentimentalität verhindere. "Klar, präzise und nüchtern" findet Brocan die Sprache des Autors, die ihre Kraft aus "zum Teil schockierenden, zum Teil höchst poetischen Bildern" schöpfe, ohne bemühte Originalität. "Blüten aus Asche", lobt der Rezensent, ist ein "ergreifendes, aufwühlendes, lebenskluges und nicht zuletzt handwerklich perfektes Buch".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2003

"Ein wenig verstimmt" ist Rezensent Gerhard Schulz nach Lektüre dieses kanadischen Romandebüts, dessen Protagonist ein junger deutscher Atomwissenschaftler ist, der 1940 von den Amerikanern abgeworben wird. Nicht nur dessen assoziationsreicher Name Anton Böll macht es dem Rezensenten schwer, die Figur wirklich glaubhaft zu finden. Auch eine chronologische Sorglosigkeit, die gelegentlich ans historisch wenig Wahrscheinliche grenze, stören den Rezensenten immer wieder empfindlich. In seinen Augen ist der Protagonist eher eine allegorische Figur, von der ihm der Autor keine "lebendige Vorstellung" geben kann. Offenbar, wie Schulz mutmaßt, weil es Bock selbst an einer Vorstellung von seinem Protagonisten fehlt. Einzig die Hiroshima-Schilderungen des einer inzwischen in den USA lebenden Japanerin, die nicht nur ihr Gesicht sondern auch ihre Familie an jenem 6. August 1945 verlor, haben Schulz wegen ihrer ruhigen Präzision und erschütternden Anschaulichkeit beeindrucken können. Die Geschichte der dritten Hauptfigur des Romans, der Tochter eines österreichisch-jüdischen Geigenbauers, die Anton Bölls Ehefrau wird, bewertet der Rezensent jedoch (trotz mancher gut erzählten und einfühlsam übersetzten Szene) als Rückzug ins Private und Zufällige, der für ihn auf ein Melodram hinauslaufe und damit letztlich in die Banalität führe.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Mehr Bücher aus dem Themengebiet