Dea Loher

Bugatti taucht auf

Roman
Cover: Bugatti taucht auf
Wallstein Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783835310544
Gebunden, 208 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Zwei Handlungskreise verknüpft Dea Loher miteinander, denen beiden reale Begebenheiten zugrunde liegen: Ein junger Mann wird während der Fasnacht 2008 in Locarno von einer Gruppe Jugendlicher geschlagen, getreten und schließlich umgebracht. Aber je minutiöser die Rekonstruktion der Tat aus dem Puzzle der Zeugenaussagen versucht wird, umso schillernder und unschärfer wird, was wirklich (und warum) geschehen ist. Die oder den Schuldigen zu finden ist trotz der klaren Beweislage schwieriger als gedacht, und gesühnt ist die Tat damit bestenfalls ansatzweise. Ein Freund der Familie des Opfers sucht einen anderen Weg: Er erinnert sich an ein Autowrack, das seit 75 Jahren auf dem Grund des Lago Maggiore liegt: Ein Bugatti Brescia 22. So sagt man wenigstens. Alle bisherigen Versuche der Bergung waren nicht von Erfolg gekrönt. Und nun wird das Tauchen in die Tiefen auch der eigenen Abgründe ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2012

Ein derart reifes und ausdrucksstarkes Debüt liest Rainer Moritz nicht alle Tage. Was ihm so besonders erscheint an Dea Lohers Roman, ist die Komposition aus drei zunächst separat daherkommenden Handlungssträngen (die Tagebücher Rembrandt Bugattis, eine Bluttat in Locarno sowie die Hebung eines alten Autowracks aus dem Lago Maggiore), erzählt aus je unterschiedlicher Perspektive mit je anderem Ton, mal elegisch, mal sachlich dokumentierend, mal klassisch realistisch. Wie die drei Teile des Buches bei aller Verschiedenheit schließlich auf die unaufdringlichste Weise (mittels Leitmotiven etwa) doch ein Ganzes ergeben, überrascht Moritz. Die Stilsicherheit der Autorin steht für ihn außer Frage.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2012

Gleich mehrere Textsorten vereint der in drei Teile mit je unterschiedlicher Perspektive aufgeteilte Debütroman der Dramatikerin Dea Lohner, und was der Rezensentin Sabine Doering zunächst disparat erscheint, macht schließlich als Ganzes Sinn. Mit plastischer Anschaulichkeit, so Doering, erzählt Lohner eine tiefmoralische Geschichte. Indem sie die Fakten einer brutalen Straftat im Tessin mit der Geschichte der Familie Bugatti und den hehren Zielen eines einfachen Schlossers verbindet, entsteht vor Doerings Auge eine Parabel auf die Fähigkeit des Menschen, das Böse und Hässliche in der Welt mit Schönheit auszugleichen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.04.2012

Beachtlich scheint Jutta Person dieses Romandebüt der Dramatikerin Dea Loher. Wie es der Autorin gelingt, die auf den ersten Blick disparaten Teile des Buchs am Ende zusammen- und zum Schwingen zu bringen, findet sie beeindruckend. Da sind: die Tagebucheinträge des traurigen Künstlers Rembrandt Bugatti, der beschließt sich umzubringen, das akribische Protokoll eines Gewaltausbruchs, bei dem ein junger Mann von Jugendlichen erschlagen wird, und nicht zuletzt die Geschichte des Tauchers Jorgi, der einen vor 75 Jahren im Lago Maggiore versunkenen Bugatti heben will. Die Gefahr, dass diese Ausgangslage zu "erzählerische Gefühligkeit und Todeskitsch" führt, scheint durchaus vorhanden. Die Rezensentin indes versichert, dass die Autorin ihr mit "formaler Präzision" gekonnt entgeht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.03.2012

Sehr beeindruckt berichtet Kristina Maidt-Zinke von diesem Romandebüt der Dramatikerin Dea Loher, die sie für ihr szenisches Denken sehr schätzt. Doch mit welch "klarer Sachlichkeit" Loher in diesem Buch Fragen von Gewalt und Sinn, Tragik und Erlösung schreibt, das haut die Rezensentin um. Loher verwebt die Geschichte von einem Jungen aus Ascona, der in einer Nacht von Betrunkenen sinnlos zu Tode geprügelt wurde, mit der Familiengeschichte der Automobildynastie der Bugattis, in der es ebenfalls ganz sinnlose Tode gegeben hat. Verbindendes Element zwischen ihnen ist ein alter Bugatti, der als beliebtes Taucherziel auf dem Grund des Lago Maggiore liegt und geborgen wird, um die Erlöse einer Stiftung zukommen zu lassen, die sich gegen Jugendgewalt engagiert. Fasziniert zeigt sich Maidt-Zinke auch von der Figur des Luca Mezzanotte, der der Ermordung seines Freundes einen Sinn abzuringen versucht, etwas, wie die Rezensentin zitiert, "gutartig Schönes".
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