Dawid Danilo Bartelt

Copacabana

Biografie eines Sehnsuchtsortes
Cover:  Copacabana
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783803127099
Taschenbuch, 208 Seiten, 10,90 EUR

Klappentext

Copacabana! Die Geschichte des berühmtesten Strandes der Welt. Sehnsuchtsort für Millionen und Paradies für wenige. Copacabana ist nicht nur eine Verheißung von blauem Meer und weißem Sand, sondern auch der Inbegriff brasilianischer Lebensart, von demokratisch gelebter Strand- und Körperkultur über die Grenzen von Klassen und Hautfarben hinweg. Dabei hat es mehrere Jahrhunderte gedauert, bis die Lust am Strand in Brasilien salonfähig wurde. Dazu mussten schon ein portugiesischer König 1817 aus Angst um sein Leben baden gehen und der Bau eines Tunnels 1892 das Fischerdorf Copacabana mit dem alten Stadtzentrum Rios verbinden. Erst dann wurden hier die Nächte länger und die Badehosen der mondänen Strandgäste so kurz, dass der Bikini seinen Siegeszug antreten konnte. Dawid Danilo Bartelt erzählt in seiner Biografie Copacabanas aber auch von den jungen Architekten wie Oscar Niemeyer, die das angrenzende Stadtviertel zum Modell der brasilianischen Moderne machten, von der Geburt des Bossa Nova, von Strandpolitik und Sandgesellschaften und davon, dass direkt neben den glitzernden Hotelkomplexen die Händler aus den umliegenden Favelas ums tägliche Überleben kämpfen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.09.2013

Dawid Danilo Bartelt lässt sich in "Copacabana" viel, viel Zeit bis er im Heute ankommt, berichtet Christian Thomas, erstmal kommen die Reiseschriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts zu Wort, die Erschließung dieses Orts werden beschrieben, der schon damals Sehnsüchte weckte und erfüllte, nicht wenige beschrieben ihn als das wahr gewordene Paradies. Nachdem man sich den Weg in die Bucht freigesprengt und Gleise verlegt hatte, wurde das Paradies - wie zuvor schon der Rest Rios - zum "Betätigungsfeld kompromissloser Urbanisten", erfährt der Rezensent von Bartelt, der Ort wuchs in die Höhe und das Pittoreske wich "dem Großen und Vielstöckigen". Das Buch ist wie eine langsame "Akklimatisierung an einen entzauberten Ort", findet Thomas. Heute regiert am Strand der Körperkult und in der Stadt das Kapital, und neben dem Bossa nova ist die Copacabana inzwischen wohl hauptsächlich für knappe Bikinis bekannt, berichtet der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.05.2013

Dawid Danilo Bartelt, Leiter des Brasilienbüros der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio de Janeiro, beschreibt mit dem Blick eines Historikers, wie Copacabana sich im Lauf der Jahre entwickelt hat - als Ort und als Mythos, berichtet Michaela Metz. Der legendäre Stadtteil Rios war vor 1892 noch durch einen großen Felsen von der Stadt getrennt, erfährt die Rezensentin vom Autor, erst in diesem Jahr wurden ein Tunnel gebaut und Gleise für die erste Straßenbahn verlegt. Plötzlich zog es die gesamte High Society nach Copacabana, aber auch die Musiker, Künstler, Touristen und Prostituierten. Genau hier begann der moderne brasilianische Körperkult, der "Sieg der Kurven über die Linie", der Hang zu knapper Bademode und Intimfrisur, erklärt die Rezensentin. Copacabana wurde zum Symbol Rios, das ohnehin schon für ganz Brasilien einstand. Bartelt ist bei all dem aber nicht unkritisch, lobt die Rezensentin.
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