Aus dem Amerikanischen von Georg Deggerich. Dem Alltag wohnt der Wahnwitz inne: Wer daran verzweifelt, findet Trost bei manch kurzweiligem Kolumnisten. David Sedaris ist das nicht genug. Das Beste an seinem Leben ist, dass er darüber Buch führt. Er arbeitet seine Kindheit auf (die Hölle eines amerikanischen Vorortes, begleitet von einer trinkenden Mutter, schizophrenen Schwestern und schwulen Ambitionen), spürt seiner Jugend nach (der Versuch, der Hölle durch haarsträubende Jobs und persönlichkeitsverändernde Drogen zu entkommen) oder stellt einen erwachsenen Wahlfranzosen dar. "Schöner wird's nicht" liefert neue Episoden aus dem Paralleluniversum des Autors. Er erläutert, wie man sich mit Schallplattenhüllen vor psychopathischen Singvögeln schützt, was modische Herrenaccessoires über Erektionsschwierigkeiten verraten und warum man in Tokio weder Japanisch lernen noch mit dem Rauchen aufhören sollte. Und er stellt unter Beweis, dass Kreuzworträtsel viel mit Lebensbewältigung gemein haben. Du kannst immer die passende Lösung aufschreiben. Du musst einfach nur die Vorgaben ignorieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.01.2009
"Schöner wird's nicht", aber David Sedaris war auch schon mal besser. So lässt sich Merten Worthmanns Rezension dieses neuen Bandes mit gesammelten Texten des hoch erfolgreichen und von manchem fast kultisch verehrten Autors David Sedaris zusammenfassen. Komischer jedenfalls war Sedaris nach Auffassung des Rezensenten schon und weniger zu "Melancholie" und "Sentimentalität" geneigt. Zu tun hat die Veränderung mit der Wende, so Worthmann, die Sedaris' Leben genommen hat: nämlich in Richtung Riesenerfolg. Sedaris war ja vor allem auf komische Weise peinlich, einer, der sein "dysfunktionales" Leben so ehrlich wie selbstironisch zu schildern verstand. Nun aber klinge manches wie eine bloße "Skurrilisierung" eines in Wahrheit doch sehr weich gebetteten Daseins. Keineswegs will Worthmann missverstanden werden: Das mache immer noch Spaß, sei "launig" und immer "flüssig wegzulesen". Dennoch lautet die Diagnose: Sedaris befindet sich in einer "literarischen Midlifecrisis".
Obwohl Rezensent Wilhelm Trapp auch nach diesem Buch nicht wirklich davon überzeugt ist, das David Sedaris ein echter Schriftsteller und kein Vermarkter seines Lebens als Literatur-Sitcom des Scheiterns ist, kann er sich dem neuesten Erzählband doch nicht entziehen. Zwar ist es seiner Ansicht nach gewissermaßen nach dem gleichen Muster wie alle Sedaris-Geschichten gestrickt: drängende Jugendgeschichten aus der Welt der coolen, hippen Urbanisten. Doch gesellten sich diesmal in die Stories der Anfang Fünfzigjährigen neue, ungebetene Gäste - nämlich das Alter und der Tod, was den Erzählungen für den Rezensenten einen neuen, und interessanten Geschmack gibt.
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