Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Müller. Ein alter Mann findet jahrzehntealte Liebesbriefe an seine kranke Frau und kämpft das erste Mal im Leben mit der Eifersucht. Zwei arbeitslose Jugendliche brechen in eine Kirche ein, um das goldene Kreuz zu stehlen, und finden einen Obdachlosen, um den sie sich kümmern. Ein Student ersteigert auf eBay den Leichnam Lenins als Wiedergutmachungsgeschenk für seinen kommunistischen Großvater.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.07.2012
Shootingstar ja, großer Autor nein. Karl-Markus Gauß lässt sich weder von den Verkaufsrekorden des Buches in den USA noch von der offensichtlichen Begabung des bulgarischen Autors als sehr junger Professor für Anglistik blenden. Stattdessen prüft er die acht hier versammelten Geschichten auf Herz und Nieren und stellt fest: Was Miroslav Penkov über das Leben zwischen Ost und West, Bulgarien und USA zu erzählen hat, ist solide gearbeitet, spricht Geist und Gemüt gleichermaßen an, verfügt über farbige Hintergründe, mit Sympathie gezeichnete Figuren und sogar hin und wieder über die Möglichkeit des Unwirklichen. Die aus all dem resultierende gemütvolle Behaglichkeit, die sich beim Leser einstellt, behagt Gauß allerdings eher weniger.
Als "großes Nachwuchstalent" der amerikanischen Literatur feiert Katharina Granzin den gebürtigen Bulgaren Miroslav Penkov. Der Band "Wenn Giraffen fliegen" bietet in ihren Augen eine Reihe von geradezu mustergültigen Short Stories: sprachlich auf den Punkt, dramaturgisch perfekt, pointiert erzählt. Inhaltlich sieht Granzin immer wieder Themen wie das Leben zwischen den Welten und die Fremdheit des Menschen zwischen den Kulturen im Vordergrund. Besonders hebt sie die zahlreichen Querverbindungen zwischen den durchaus sehr unterschiedlichen, mal humoristischen, mal schmerzlichen Geschichten hervor. Ein Band, der für die Rezensentin in seiner Gesamtheit beweist, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.
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