Aus dem Englischen von Volker Oldenburg. An einem verschlafenen Sommertag des Jahres 1984 begegnet die junge Holly Sykes einer alten Frau, die ihr im Tausch für "Asyl" einen kleinen Gefallen tut. Jahrzehnte werden vergehen, bis Holly Sykes genau versteht, welche Bedeutung die alte Frau dadurch für ihre Existenz bekommen hat. Metaphysischer Thriller, moralische Betrachtung und Chronik unseres selbstzerstörerischen Handelns - dieser kaleidoskopische Roman mit seiner Vielfalt von Themen, Schauplätzen und Zeiten birst vor Erfindungsreichtum und jener Intelligenz, die David Mitchell zu einem der herausragenden Autoren seiner Generation gemacht hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2016
Tobias Döring hat keinen Zweifel: David Mitchell ist ein großer Erzähler. Das beweist der Autor dem Rezensenten wiederum mit seinem neuen Roman. Nur wovon Mitchell eigentlich erzählt, das vermag Döring nach über 800 Seiten nicht zu sagen. Was als Chicklit, als Geschichte einer 15-jährigen Ausreißerin im Jahr 1984 beginnt, splittert bald mittels Schnitten und Zeitsprüngen auf in weitere Geschichten, die sich über 60 Jahre bis ins Jahr 2043 spannen, erläutert Döring das Wahnsinnsbuch. Doch damit nicht genug. Das realistische Erzählen gleitet laut Döring bald ins Genre des Fantasy-Thrillers hinüber, wandernde Seelen, Psychoduelle und Telekinese inklusive, und fordert der Leserin einiges an Kombinationsgabe ab. Immer neue Wirklichkeitsräume öffnen sich kaleidoskopartig vor den Augen des Rezensenten. Dass Döring das weiter spannend und vergnüglich findet, ist eigentlich ein Wunder. Genau, ein Wunder an Schöpfungskraft, bestätigt der mit- und hingerissene Rezensent.
Für Felix Zwinzscher steht fest: Wenn es überhaupt jemand schaffe, einen "absurden Fantasy-Plot als intelligenten Gesellschaftsroman" zu schreiben, dann der Brite David Mitchell, Schöpfer des "Wolkenatlas". Mehr noch: Mindestens sechs literarische Genres, vom Jugendbuch bis zur Endzeit-Erzählung, will der Kritiker im neuen Werk gefunden haben, und nach etwa der Hälfte des Romans würden alle Fäden zusammenlaufen - auch wenn sich Zwinzscher nicht ganz erklären kann, wie dem Autor dies gelingt. Der Rezensent umreißt das Geschehen des "literarischen Mammutprojekts", will aber aus Spoiler-Gründen nicht zu viel verraten. Ihm erscheint Mitchells Roman, der sowohl in reale als auch übersinnliche Welten entführe, wie eine Fernsehserie in sechs Staffeln, die man sich an nur einem einzigen Wochenende komplett ansieht.
Tony Tulathimutte: Fiasko Aus dem Amerikanischen von Stefanie Jacobs, Stefanie Ochel und Jan Schönherr. Ein erklärter Feminist fällt ins Wurmloch der Incel-Szene. Eine Frau versinkt in einer selbstzerstörerischen… Eva Menasse: Alleinruhelage Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.… Heinz Strunk: Memories of Heidelberg Heidelberg im Frühling! Bertram und Isolde, ein in die Jahre gekommenes Paar aus Oldenburg, möchten sich in der romantischen Kurpfalz mal einen richtig schönen Kurzurlaub… Miriam Carbe: Unerwünschte Töchter Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit.…