David Mitchell

Der dreizehnte Monat

Roman
Cover: Der dreizehnte Monat
Rowohlt Verlag, Reinbek 2007
ISBN 9783498045043
Gebunden, 495 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Volker Oldenburg.1982: Es ist ein regennasser Januar in Black Swan Green, einem Dorf in der toten Mitte Englands. Jason Taylor, 13 Jahre alt, heimlicher Stotterer und zögernder Poet befürchtet ein Jahr der schlimmsten Langeweile. Doch er hat weder mit einem Haufen Schulschläger noch mit köchelndem Familienzwist, dem Falklandkrieg, einem exotischen belgischen Einwanderer, einer drohenden Zigeunerinvasion oder gar mit jenen rätselhaften Geschöpfen gerechnet, die man gemeinhin Mädchen nennt. David Mitchells neuer Roman kartografiert dreizehn Monate im Schwarzen Loch zwischen Kindheit und Adoleszenz, das Ganze im Abendrot eines heruntergekommenen Ex-Weltreichs, für dessen Bewohner der Zweite Weltkrieg immer noch nicht beendet ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.11.2007

Rezensent Christoph Haas hält David Mitchells "coming of age"-Geschichte "Der dreizehnte Monat" zwar für etwas lang, insgesamt jedoch für stark. Jason wohnt in dem mittelenglischen Ort Black Swan Green und muss sich behaupten unter Gleichaltrigen, die weichliches Verhalten verurteilen und eine brutale Hierarchie der Anerkennung aufrecht erhalten. Jason steht in der Mitte, er wird mit seinem Nachnamen und nicht, wie die Anerkannten, mit Vornamen angesprochen, aber auch nicht mit einem bösen Spitznamen, wie die ganz Verpönten. Vieles muss er verstecken, so seine Gedichte für das Gemeindemagazin und seine Stotterei. Der Rezensent hat sich in dem 1982 spielenden Roman an einiges Bekannte aus der eigenen Jugend erinnert, an Bands wie Madness oder Talking Head. Schön findet er, wie der Autor Zeitgeschichtliches in die Perspektive seiner jugendlichen Hauptfigur überträgt - wenngleich die ihm mitunter auch etwas altklug erscheint - und die Schilderung des der schleichenden Zerfalls der Ehe der Eltern. Am beeindruckendsten findet er jedoch die Schilderung der sozialen Welt der Jugendlichen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.10.2007

"Wunderbar" findet Ulrich Sonnenschein den neuen Roman von David Mitchell, für den Rezensenten ein "junges Genie" der englischsprachigen Literatur. "Der dreizehnte Monat" erzählt die Geschichte des dreizehnjährigen Jason Taylor, der in einem kleinen englischen Vorort lebt und aufzeichnet, was er erlebt und was ihn bewegt - seine Versuche, Mädchen für sich zu interessieren, die Anerkennung seiner Mitschüler zu gewinnen oder mit dem Stottern fertig zu werden, seine ersten Erfahrungen mit dem Tod, die Leidenschaft für das Schreiben, die sich aus seiner sprachlichen Behinderung entwickelt. Ulrich Sonnenschein lobt die meisterhafte Umsetzung der Geschichte, die verschiedene Erzählebenen zu einem "Netz individuellen Erlebens" verknüpft und sich einer Sprache bedient, die weder ganz Jason noch einer externen Instanz zuzuordnen ist. Er sieht den Roman als David Mitchells "Weltentwurf in eigener Sache", in dem der Hauptfigur die Rolle des alter ego des Autors zukommt und ist rundum glücklich mit einem Roman, der für ihn nicht zuletzt "ein Buch über die Literatur und die Kraft, aus Worten Wirklichkeit zu machen" ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.10.2007

Dem Rezensenten Jörg Magenau gefällt dieser Roman, auch wenn er ihn im Vergleich zu früheren Arbeiten des englischen Autoren David Mitchell eher "unterkomplex" findet. Dennoch werde vom Zerfall der Familie eines stotternden Teenagers, der im Schreiben eine ganz neue Welt abseits des "täglichen Überlebenskampfs"entdeckt, stimmig erzählt. Den Tonfall des beschriebenen Jahres 1982 zu treffen, gelingt Mitchell nach Magenaus Meinung jedenfalls ausgesprochen gut - nicht nur, weil er, wie der Rezensent berichtet, als "erzählerisches Chamäleon" bekannt ist, sondern auch, weil er sich in diesem konkreten Fall von seiner eigenen Jugend inspirieren lassen konnte. Was der Übersetzer Volker Oldenburg in der Übertragung ins Deutsche daraus gemacht hat, hält Magenau für ähnlich gelungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2007

Sehr eingenommen ist Rezensentin Julia Bähr für David Mitchells Pubertätsroman "Der dreizehnte Monat". Im Mittelpunkt des Romans steht ihren Informationen zufolge der dreizehnjährige Jason, der unter den familiären Streiterein leidet, leicht stottert und von seinen Mitschülern gehänselt wird. Dass Mitchell hier im Unterschied zu seinen vorangegangen Werken im "besten Sinn" konventionell erzählt, scheint ihr kein Nachteil. Sie bescheinigt ihm, die Gedanken und Gefühle seines Helden, seine Versuche cool zu wirken und Mädchen zu beeindrucken, wunderbar einzufangen, sprachlich überzeugend und immer wieder sehr amüsant zu schildern. Bährs Fazit: "eine spannende Achterbahnfahrt", die ihres Erachtens letztes Jahr zu Recht für den Booker Prize nominiert wurde.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2007

Jürgen Brocan spart wahrlich nicht mit Lob. "Atemberaubend gut" sei David Mitchell. Ganz und gar "grandios" schildere er die Ängste und Nöte seines sich gerade von der Kindheit verabschiedenden Helden. Der dreizehnjährige Jason lebt in England, stottert und kämpft um Anerkennung in seiner Umgebung. Von den Erwachsenen bekommt er sie nicht, die sämtlich durch eine "karikaturhafte Überzeichnung" auffallen, die einzige Bemerkung des Rezensenten, die man als Kritik werten könnte. Die meisterhafte Darstellung der allmählichen Entzauberung der Kindheit, die realistischerweise ohne ein Schlüsselerlebnis auskommt, genügt Brocan aber vollkommen, um diese "feinteilige, sensible" Darstellung himmelhoch zu loben und uneingeschränkt zu empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.09.2007

Mit leichter Enttäuschung hat Rezensent Hubert Winkels David Mitchells neuen Roman beiseite gelegt. Enttäuscht, weil Mitchell aus Sicht des Rezensenten eigentlich zu den besten englischen Romanautoren der Gegenwart gehört. Doch diesmal ist er unter seinen Möglichkeiten geblieben, findet Winkels. Es geht ihm zufolge um einen dreizehnjährigen sprachbehinderten Jungen, der nur, wenn er mit sich selber spricht, nicht stottert. Außerdem dichte der Junge, was ihn ebenfalls zum Außenseiter mache. Allerdings folgt Winkels dem "Stimmgenie" David Mitchell und seinem Helden zunehmend unwillig in die "Urgründe des wahrhaftigen Sprechens" - auch deshalb, weil die Mitchell'sche Romanmaschine aus seiner Sicht nicht in der Lage ist, das Stottern zu inszenieren. Besonders aber stört ihn, dass Mitchell sich zu sehr auf die pubertären Nöte und Existenzsorgen seines Helden einlässt und dann keine Klammer für das Ganze findet. Zwar treffe er immer wieder perfekt den Teenagerton - und der Übersetzer Volker Oldenburg meist ebenfalls. Trotzdem wird Winkels das Gefühl nicht los, hier zeige ein grandioser Bänkelsänger Tafeln einer Jugend von Gestern. So sei das Ganze dann eher ein Jugendroman. Und zwar einer aus den achtziger Jahren.