Klappentext
Nahrung, Heilmittel, Sakrament und Symbol - Pilze tauchen unvermittelt auf und verschwinden ebenso schnell. Zurück bleibt ein unverkennbarer Nachhall in Kultur und Küche. Diese Sammlung verbindet, wie es für "The Gourmand" charakteristisch ist, kulinarische Praxis mit kultureller Reflexion. Essays, deren Themen von Mythologie über Toxikologie bis hin zu Kunst, Architektur, Mode, Film und sogar Raumfahrt reichen, sind begleitet von Fotos, die Pilze als Formen, Strukturen und fast skulpturale Erscheinungen feiern. Begegnen Sie Namen wie Bosch und Beatrix Potter, María Sabina und die CIA, Yayoi Kusama und Takashi Murakami. Ob Comicfiguren oder Todesboten, in Feenkreisen oder Kriminalromanen, ob Fliegenpilz oder Knollenblätterpilz, Heilmittel oder Halluzinogen - Pilze entfalten eine eigentümliche Anziehungskraft. Dieses Buch spürt ihrer Fähigkeit nach, Ehrfurcht und Angst, Besessenheit oder Freude hervorzurufen - und erklärt, warum ihre Faszination bis heute ungebrochen ist. Eine umfangreiche Sammlung von Originalrezepten zelebriert die Pilze in ihrer ganzen erdigen, umami-reichen Köstlichkeit. Von delikaten kantonesischen gefüllten Pilzen und knusprigem Tempura über Pierogi, Risotto, Ramen-ähnlichen Relishes, Ravioli mit Waldpilzen und klassischer Duxelles bis hin zum gutem alten Pilzketchup.In der Einleitung teilt der renommierte Koch und Food-Autor Jeremy Lee in einer lyrischen Reflexion seine Gedanken über Vergänglichkeit, Nahrungssuche und kulinarische Erinnerungen - und eröffnet damit diesen Band, der zugleich ein visuelles Festmahl, ein Fanzine, ein Feldführer und eine Hommage an Pilze als flüchtige Wunderwerke, kulturelle Ikonen und unendlich vielseitige Zutaten ist.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 01.08.2026
Rezensentin Brigitte Werneburg freut sich schon auf die Pilzsaison: Dieser Band des Kochmagazins The Gourmand macht ihr richtig Lust, die hier versammelten Rezepte auszuprobieren und die Geschichten zu lesen. Darin lässt sich erfahren, dass Pilze weder Pflanzen noch Tiere, sondern eigenständige Gattungen sind, deren Organismus aber in Teilen ähnlich funktioniert wie der menschliche, weshalb sie so vielfältige pharmakologische Wirkungen in uns erzielen können. Das unterirdisch wachsende Myzel eines Pilzes kann bis zu tausend Hektar umfassen, staunt Werneburg, das Mutterkorn kann Gift oder Medizin sein, auch LSD lässt sich daraus gewinnen. Bewusstseinserweiternd ist der Pilz für die Kritikerin nicht nur als Droge, sondern auch als Inspirationsquelle für Kunst und Kultur, zum Beispiel für Verner Pantons Stehlampe "Panthella". Ebenso überzeugt ist sie von dem Kapitel über den Maler Philip Guston, der vom Abstrakten zum Figurativen hin aufblühte wie das "unwahrscheinliche Wachstum" der Pilze. Rezepte wie die Pilztarte legt uns die Kritikerin unbedingt zum Nachmachen ans Herz.