Aus dem Englischen von Carsten Roth. Daniele Ganser behauptet, dass die von den USA angeführte Militärallianz nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Ländern Westeuropas geheime Armeen aufgebaut hat, welche von den Geheimdiensten CIA und MI6 trainiert wurden. Ihr Ziel: im Falle einer sowjetischen Invasion als Guerilla zu kämpfen, um die besetzten Länder wieder zu befreien. Doch dabei ist es nicht geblieben. Gezielt wurden Attentate gegen die eigene Bevölkerung ausgeführt, um Unsicherheit zu erzeugen und den Ruf nach einem starken Staat zu unterstützen. Sowohl die ursprüngliche Planung als auch die antikommunistisch motivierten Verbrechen sind bis heute der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.04.2009
Nicht recht ernst nehmen kann Rezensent Gregor Schöllgen dieses Buch von Daniele Ganser über geheime "Stay-behind"-Truppen, die von der Nato und den militärischen Geheimdiensten bis zum Ende des Kalten Krieges koordniert wurden. Wirklich neu scheint ihm das, was der Historiker zusammengetragen hat, auch nicht zu sein. In der Gesamtschau hält er das Buch für "bemerkenswert", im Einzelfall ist in seinen Augen das meiste längst bekannt und gelegentlich "grotesk überzeichnet". Er hebt die dürftige Quellenlage hervor. Im Blick auf die deutsche Geheimarmee etwa könne sich Ganser lediglich auf den vierseitigen Bericht "über die Stay-behind-Organisation des Bundesnachrichtendienstes" der Bundesregierung aus dem Jahr 1990 stützen. Zustimmend äußert er sich indes über die Ausführungen Gansers über die Kontakte der Organisation Gehlen und des frühen BND zur rechten Szene.
Daniele Gansers Buch über die "Nato-Geheimarmeen in Europa" birgt nach Ansicht von Rezensent Raul Zelik brisantes Material. Der an der Universität Basel lehrende Historiker zeigt seines Erachtens überzeugend auf, wie die Geheimdienste Großbritanniens und der USA nach dem Zweiten Weltkrieg in Westeuropa und der Türkei geheime paramilitärische Gruppen aufbauten, die im Fall einer sowjetischen Invasion als Guerilla-Kämpfer zum Einsatz kommen sollten. Darüber hinaus enthülle Ganser die Beteiligung des so genannten Gladio-Netzwerks an blutigen Terroranschlägen in Italien, Belgien, der Türkei und Frankreich, die auf die Verunsicherung der Bevölkerung zielten, um autoritäre Lösungen für innenpolitische Krisen zu erleichtern. Zelik hebt Hinweise hervor, die auch eine Beteiligung des Netzwerks am Terroranschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980 nahe legen. Er würdigt die sorgfältige Recherche des Autors, seine sachliche Darstellung und seinen Hinweis, das Gladio-Netzwerk habe bis heute nicht seriös untersucht werden können, weil die Nato ihre Dokumente unter Verschluss halte.
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