Hanser Berlin, Berlin 2026
ISBN
9783446285859 Gebunden, 112 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Daniela Dröschers sehr persönliche Geschichte der Selbstermächtigung - von einer schweigenden zur öffentlich sprechenden Frau. Und die Frage, wie wir sprechen sollten, um einander wirklich zu verstehen. Ein harmloses Mittel der Verständigung war Sprechen für die Schriftstellerin Daniela Dröscher nie. Als Kind einer Zugezogenen im Hunsrück zwischen Hochdeutsch und breitem Pfälzer Dialekt erwies sich Sprechen als ein so zweischneidiger Akt der Anpassung, dass sie lieber verstummte. Außerhalb des Privaten fehlte ihr auch später lange der Mut zum Einstehen für das eigene Wort, zu groß war die Angst davor, als Aufsteigerin erkannt oder missverstanden zu werden. Mit radikaler Offenheit erzählt sie von ihrer Emanzipation von einer schamhaft schweigenden zur öffentlich sprechenden Frau. Dabei denkt sie darüber nach, ob nicht gerade die Bereitschaft zum Missverstehen die eigentliche Voraussetzung für wahres Verständnis und einen produktiven Gesellschaftsdialog sein könnte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2026
Sieglinde Geisel bespricht zwei Beiträge zur "Leben"-Reihe von Hanser, die sich essayistisch diversen Kernthemen menschlicher Existenz widmet. Daniela Dröscher legt ihre Reflexionen über das "Sprechen" autobiografisch an: Die Autorin schreibt über eigene Erfahrungen mit Sprache, wichtig ist dabei zum einen die Welt ihrer Kindheit, der pfälzische Dialekt des Dorfes, in dem sie aufwuchs; sowie zum anderen die wiederholte Erfahrung eines Mangels, wenn sie später, im Studium oder der Literaturszene, mit anderen, eloquenteren Modi des Sprechens konfrontiert wurde. Der Text ist nicht frei von Allgemeinplätzen, kritisiert Geisel, es gibt aber durchaus "Themen, die durch das Buch führen". Vor allem, das findet Geisel ziemlich interessant, denkt Dröscher, die selbst in einer weitgehend eingängigen Sprache schreibt, das Sprechen nicht vom Verstehen, sondern vom Nichtverstehen her, immer wieder geht es um die Angst davor, nicht zu verstehen. Weniger gut gefällt der Rezensentin Dröschers Hang zum Moralismus. Eine Lektüre mit Licht und Schatten, so der Tenor der Besprechung.
Ein "offenes Gesprächsangebot" nennt Rezensentin Dina Netz Daniela Dröschers autobiografisch grundierten sprachtheoretischen Essay - und nimmt dieses Gesprächsangebot dankend an. Wie bereits in etlichen ihrer übrigen Werke, geht Dröscher auch in "Sprechen" von den eigenen Erfahrungen aus, erzählt offen vom Hadern mit der Sprache, von den Episoden ihres Lebens, in denen sie fast oder sogar vollständig verstummte, aber auch, und mit einigem Stolz, von dem Aneignungsprozess, der darauf folgte. Für sich genommen wären diese Passagen zwar interessant für Dröscher-Fans, andere jedoch könnten sich von Dröschers Offenheit beinah peinlich berührt fühlen, vermutet Netz. Doch zum Glück ihrer Leserinnen und Leser belässt diese Autorin es nicht bei autobiografischen Berichten, sondern verknüpft diese auf originelle Weise und scheinbar mühelos mit Reflexionen über die sozialpolitische Dimension von Sprache, sowie Überlegungen anderer Theoretikerinnen und Theoretiker wie etwa bell hooks oder Pierre Bourdieu. Gerade in dieser lockeren Verbindung erkennt die Rezensentin die besondere Stärke dieses anregenden Essays.
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