Wie der Aufstand in der Christopher Street die Welt veränderte
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406734403 Gebunden, 208 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Christopher Street: Die Geburt einer Bewegung "Für die Homosexuellen ist das Dritte Reich noch nicht zu Ende", schrieb der deutsch-jüdische Historiker Hans-Joachim Schoeps 1963. Es endete für sie sechs Jahre später, in einer Nacht in der Christopher Street von New York. Nah an den Menschen, erzählt Thomas Sparr vom Aufstand im Stonewall Inn und seinen weltweiten Folgen. Es war einer Selbstbefreiung, die gelang und trotzdem bis heute gefährdet ist. Es war die Nacht zum 28. Juni 1969. In dieser Sommernacht wehrten sich junge Männer und Frauen im Stonewall Inn, einer Homosexuellenbar in New York, gewaltsam gegen eine Razzia der Polizei. Der kleine "Aufstand der Anstößigen" wurde später zum großen, weltweiten Symbol des Widerstands und der Selbstbehauptung einer entrechteten Minderheit. Im selben Jahr wurde in der Bundesrepublik der Paragraph 175 liberalisiert, während in der DDR Homosexualität bereits straffrei war. Thomas Sparr schildert den Mythos und die Wirklichkeit des Aufstands in der Christopher Street und zeigt seine Folgen bis heute. Wie wirkte er sich in Deutschland aus? Wie veränderte er die Selbstbilder homosexueller Frauen und Männer und wie die Art und Weise, in der andere sie bis heute wahrnehmen? Jahr für Jahr erinnern die Christopher Street Days in Deutschland, in Amerika, in Budapest und erst recht die verbotenen in Teheran wie in Moskau und Minsk daran: Wer sich nicht wehrt, liebt verkehrt.
Ganz zufrieden ist Rezensent Tilman Krause nicht mit diesem Buch, das er dennoch für wichtig und relevant hält. Thomas Sparr setzt sich hier mit den sogenannten "Stonewall Riots" und deren Folgen auseinander. Los ging alles im Juni 1969 mit einem Aufstand von Homosexuellen aus überwiegend wenig privilegierten Milieus nach einer Razzia in einer Szenebar in der New Yorker Christopher Street. Sparr argumentiert nun, dass die folgende Protestbewegung auch der deutschen Schwulenbewegung entscheidende Impulse mitgegeben hat. Krause möchte da nicht ganz mitgehen und weist darauf hin, dass es in Deutschland schon seit dem 18. Jahrhundert erstaunliche Fortschritte in Sachen homosexueller Sichtbarkeit gegeben hatte. In Bezug auf einzelne, durchaus wichtige Figuren wie etwa Rosa von Praunheim, gesteht der Rezensent ein, war die amerikanische Aufbruchsbewegung allerdings durchaus wichtig. Auch gefällt Krause, dass Sparr auf Autoren wie Hubert Fichte und Horst Bienek zu sprechen kommt, die der schwulen Literatur neue Tonlagen beibrachten. Insgesamt also, schließt die Besprechung, ein lesenswerter, streitbarer Beitrag zur Kulturgeschichte der Homosexualität in Deutschland.
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