Daniela Danz

Türmer

Roman
Cover: Türmer
Wallstein Verlag, Göttingen 2006
ISBN 9783835300422
Gebunden, 154 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Der Roman führt in eine merkwürdige Welt: Zweihundertdreiundsechzig Treppenstufen nach oben in einen Turm, wo Jan Fachers Vater endlich eine Arbeitsstelle bekommen hat und im Frühjahr 1913 mit Frau und Sohn die Türmerwohnung bezieht. Er muß rund um die Uhr über die Stadt wachen, nachts hilft ihm sein Sohn. Wenn Jan gehofft hatte, die enge Welt im Turm würde ihn einen Weg zu seinem Vater finden lassen, so sieht er bald, daß er auf sich selbst verwiesen ist. Der Blick von oben auf die Stadt schärft die Wahrnehmung - und er macht einsam. Jans Freunde, Köppen, Donatus und Hellmund, kommen bald nur noch selten. Mehr und mehr werden die Besuche zu Erzählungen von"draußen"; Facher beschleicht das Gefühl, er habe"da unten nichts mehr, was auf mich wartet". Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs holt ihn ins Leben zurück.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.03.2007

Sibylle Birrer hat sich beim Lesen der beiden unter dem Titel "Türmer" versammelten Texte zwar nicht gequält, sie fragt sich nach der Lektüre aber dennoch etwas ratlos nach Zweck und Bedeutung des Prosadebüts von Daniela Danz. Weder kann die Rezensentin ergründen, was die beiden Texte zu einem Roman zusammenbindet - bei dem ersten handelt es sich um die tonnenschweren Reflexionen eines jugendlichen Nachfahren eines Türmers in Deutschland kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, beim zweiten um eine Reise eines Michael Thurners nach Belgrad um 2001 - noch findet sie sie für sich genommen besonders schlüssig. Birrer lobt durchaus den lyrischen, atmosphärischen Duktus der Erzählungen, findet aber, dass sich Danz mit dem übergeordneten Thema "Krieg und Frieden" zu viel vorgenommen hat und zudem ihren Figuren nicht zu psychologischer Plausibilität verhelfen konnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.01.2007

Daniela Danz ist Kunsthistorikerin und kennt sich wirklich hervorragend mit alten Türmen aus, führt uns Rezensentin Anja Hirsch die Autorin dieser "merkwürdig schönen Erzählung" ein, die unseren Wortschatz um solch seltene Preziosen wie "Scherensparren" und "Laibung" bereichere. Danz erzählt zunächst die Geschichte des jungen Jan, der, wir befinden uns zu Beginn des 19. Jahrhunderts, mit seinen Eltern in einen entlegenen Turm zieht. Der Vater ist Türmer, also ein Wächter, der Brände und andere Gefahren rechtzeitig erkennen soll. Großartig findet die Rezensentin, wie sich bei Danz Architektur und Erzählung miteinander verbinden, bis sie schließlich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ende. Völlig ratlos lässt die Rezensentin nur der zweite Teil der Geschichte zurück, der als Ich-Erzählung in die Gegenwart führt und von einem Mann erzählt, den es unerklärlicher Weise nach Belgrad verschlagen habe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2006

Die arme Rezensentin scheint noch ganz gelähmt von ihrem Ausflug ins Handlungsvakuum. Allerdings genügt uns das wenige, was Julia Bähr über diesen Roman von Daniela Danz zu sagen hat, auch voll und ganz. Abschreckung braucht manchmal nicht viele Worte. Poesie und Langeweile verwechsle die Autorin, so dass wir die Rezensentin gähnen zu hören meinen. Schlimmer als das Missverständnis des Romans als Raum der Stille wiegt für Bähr allerdings die hier vorgeführte Verquastheit der Gedanken und Perspektiven. Poesie ohne Aussage, Geschichten ohne Motive, meint sie.