Ernst Glaeser

Jahrgang 1902

Roman
Cover: Jahrgang 1902
Wallstein Verlag, Göttingen 2013
ISBN 9783835313361
Gebunden, 389 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

"Der Krieg gehörte den Erwachsenen, wir liefen sehr einsam dazwischen herum." - Ernst wächst behütet in einer süddeutschen Kleinstadt des späten Kaiserreichs auf, und seine Welt scheint zunächst intakt. Doch tatsächlich ist die Gesellschaft gezeichnet durch die grundlegenden Konfliktlinien der Zeit: Antisemitismus, politische Kämpfe zwischen Linken und Rechten, Armen und Reichen. Der Krieg überbrückt zunächst alle diese Gräben, doch je länger er dauert, desto deutlicher wird, wie fragwürdig der Hurrapatriotismus und wie brüchig die bisherige Ordnung ist. Glaeser verknüpft die äußeren Ereignisse mit dem Innenleben seines Protagonisten, der sich sexuelle Erfahrungen ebenso wie die eigene Meinung gegen die prüde Welt der Väter und deren hohl gewordenen Moralismus erkämpfen muss: "Der Krieg, das sind unsere Eltern." Als Glaesers Roman 1928 erscheint, trifft er den Nerv der Zeit. Er bringt das Trauma jener Generation auf den Punkt, die ihre Desillusionierung hinter den Frontlinien des Ersten Weltkriegs erlebt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2014

Als zeitgenössisches Dokument findet Thomas Meissner diesen Roman von Ernst Glaser über die Erlebnisse eines Zwölfjährigen in der deutschen Provinz kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs durchaus lesenswert. Meissner stört sich nur wenig an Glasers politischer Unentschlossenheit im Nationalsozialismus. Wichtiger scheint ihm, dass hier ein Autor über das Individuelle hinaus die Befindlichkeit einer ganzen Generation zu fassen sucht. Wenn Glaser dabei der Neuen Sachlichkeit gemäß weitgehend berichtend vorgeht und seine Introspektionen zum Schicksal der Daheimgebliebenen im Krieg sowie zur Verlogenheit im Kaiserreich mit nur wenigen, wenngleich für Meissner unübersehbaren romanhaften Zuspitzungen und Konstellationen garniert, kann der Rezensent damit leben.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Siri Hustvedt. Ghost Stories - Ein Buch der Erinnerung. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2026.Siri Hustvedt: Ghost Stories
Aus dem Amerikanischen von Uli Aumüller und Grete Osterwald. Als er im Sterben lag, sagte Paul Auster seiner Frau, er wolle ein Geist werden. Und das ist er für Siri Hustvedt…
Kev Lambert. Möge uns die Freude bleiben - Roman. Secession, Berlin, 2025.Kev Lambert: Möge uns die Freude bleiben
Aus dem Französischen (Quebec) von Frank Weigand. In seinem neuen Roman beschreibt Kev Lambert den kometenhaften Aufstieg und Fall der Quebecer Stararchitektin Céline Wachowski:…
Lukas Rietzschel. Sanditz - Roman . dtv, München, 2026.Lukas Rietzschel: Sanditz
Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…