Daniel Kehlmann

Der fernste Ort

Roman
Cover: Der fernste Ort
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518412657
Gebunden, 152 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Julian, ein junger Mann, mit sich selbst und seiner Tätigkeit als Versicherungsangestellter unzufrieden, nutzt einen Schwimmunfall, um sich davonzumachen. Dass man ihn für tot halten muß, scheint ihm die ultimative Chance zu sein...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.02.2002

Sehr gut gefallen hat dem Rezensenten Carsten Hueck Daniel Kehlmanns neue Geschichte - kein Wunder, fühlt er sich doch von der Erzählung an Jim Jarmuschs Film "Dead Man" erinnert. Der Autor wird damit nach Meinung des Rezensenten den Erwartungen voll gerecht, die er durch die Qualität seiner früheren Romane geweckt hat. Ob die Geschichte eines jungen Mannes, der scheinbar und knapp dem Tod durch Ertrinken entgeht und beschließt, ein ganz neues Leben anzufangen, realistisch ist oder eher eine Halluzination, das bleibt nach Ansicht Huecks während der ganzen Erzählung offen. Diese Unklarheit tue der Geschichte aber keinen Abbruch: "Ob Erinnerung oder Neuerleben" - Kehlmann verbinde Julians Erlebnisse "in eigenartiger, traumhafter Logik miteinander" und führe die Leser in die "surreale Szenerie seiner Biografie". Und das gelinge ihm durch seine "geistige Experimentierfreude" und auf einem literarisch hohen Niveau, lobt der begeisterte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.01.2002

Martin Lüdke zeigt sich tief beeindruckt von dem vierten Buch des gerade mal 26-jährigen in München geborenen und in Wien lebenden Autors Daniel Kehlmann, den der Rezensent ohne Zweifel für einen "kunstfertigen Erzähler" hält. Der Roman handelt, berichtet Lüdke, von der vergeblichen Flucht des Protagonisten Julian, einem Versicherungsvertreter, der, um der "Kette der Niederlagen" seines Lebens zu entrinnen, seinen Tod fingiert und ein neues Leben zu führen trachtet, was ihm aber nicht gelingen mag. Die Geschichte wird nach dem Eindruck des Rezensenten "mit leiser Stimme", aber gleichsam "bildkräftig" erzählt, die inneren Vorgänge Julians seien fein und genau gearbeitet, so Lüdke. Den Autor hält der Rezensent für einen "zeitgemäßen Romantiker", der aus Enttäuschung von der Begrenztheit der Naturwissenschaften und deren lebenspraktisch engen Grenzen reichlich auf romantische Motive zurückgegriffen habe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.11.2001

Daniel Kehlmanns Erzählung beginnt mit dem Schluss, informiert Carsten Hueck: Julian lässt nicht nur Kleider und Brille, sondern auch die Scherben seines Lebens am Strand zurück und überlässt sein Leben den gefährlichen Strömungen eines Sees. Soweit, laut Hueck, der äussere Erzählkern, was aber das Wesen von "Der fernste Ort" ausmacht, sei viel schwieriger zu definieren. Kehlmann spiele "mit dem Motiv des Abtauchens", erklärt der Rezensent, und bei Julian sei durchaus nicht klar, ob seine Gedanken, an denen der Autor den Leser teilhaben lässt, die Halluzinationen eines Ertrinkenden oder eines Geretteten seien. Kehlmann gestalte die Gedankenwelt des Lebensmüden als "surreale Szenerie seiner Biografie", analysiert Hueck. Der "kurzsichtige Held, auf der Flucht ins Nirgendwo", blicke dabei "auf die Dinge wie aus dem Jenseits". Wie schon in vorherigen Werken verbinde Kehrmann dabei "philosophische Fragen mit geistiger Experimentierfreude und literarischem Können", lobt der Rezensent.
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