Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner. Clayton Riddell hält sich gerade geschäftlich in Boston auf, als von einem Augenblick auf den anderen Unglaubliches geschieht und die Welt aus den Fugen gerät: Alle Menschen, die gerade mit dem Handy telefonieren, laufen wie auf einen geheimen Befehl hin Amok. Sie fallen übereinander her, schlachten sich gegenseitig ab und stürzen sich ins Verderben. Irgendwie können Clay und ein junges Mädchen sich in ein Hotel retten. Sie sind völlig abgeschnitten von der Außenwelt. Clay will unbedingt herausfinden, wie es zu Hause um seine Familie steht. Er muss mit seinem Sohn Johnny Kontakt aufnehmen, bevor ein anderer es per Handy tut ...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.04.2006
Der neue King hat Daniel Kehlmann enttäuscht: Nach seinem "klugen" Essay "Vom Schreiben" kehre King nunmehr zum "Wohlbekannten und zum fremdproduzierten Klischee" zurück. Und das mag an einer durchaus nachvollziehbaren Erschöpfung des Vielschreibers liegen, vermutet der Rezensent. Für ihn jedenfalls handelt es sich hierbei um nichts anderes als einen "harmlosen Schocker". Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, wenn man nicht stetig "so viele versäumte Möglichkeiten" bedauern müsste: Angefangen von "schnoddrigen Dialogen" über eine eindimensionale und unglaubwürdige Figurenführung bis hin zu diversen intertextuellen Motivanleihen, die man durchaus auch als tumbe Plagiate bezeichnen könnte. "King könnte es weitaus besser", glaubt der Rezensent zu wissen, lässt sich jedoch eine Rettungstür offen: Man kann die Geschichte auch als "Terrorroman" lesen - dann wäre dies eine kompromisslose Verarbeitung fundamentalistischer Weltsicht "mit ihrer wirren Mischung von Isolation, Erwählungsgefühl und Feindschaft gegen die gefallene Außenwelt". So - und mit viel gutem Willen - könnte dies dann doch noch ein hochbrisanter Horrorroman sein, "erschreckend und ambivalent, ganz wie die Bücher aus Kings großer Zeit".
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