Die 1955 in Bonn gegründete Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP) und ihr Forschungsinstitut bilden ein außenpolitisches Diskussionsforum der führenden Experten aus Politik, Bürokratie und Wirtschaft. Die private Institution förderte das Wachstum einer parteiübergreifenden Fachelite und die Suche nach einem Konsens in außenpolitischen Grundsatzfragen. Daniel Eisermann beschreibt die konkreten Anstrengungen der DGAP, mit gezielten Forschungsvorhaben und vertraulichen Studiengruppen zu einem besseren Verständnis der Probleme der deutschen Sicherheits- und Entspannungspolitik beizutragen. So entsteht ein vielschichtiges Panorama, die Geschichte eines Netzwerks einflussreicher Fachleute von der Adenauer-Ära bis in die Zeit der Auseinandersetzungen um die Neue Ostpolitik.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.06.2000
In einer Doppelrezension bespricht Curt Gasteyger zwei Bücher, die sich - direkt oder indirekt - mit der Tätigkeit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGfAP) und ihrem nunmehr bereits fast vierzig Jahre währenden Einfluss auf die deutsche Außenpolitik befassen.
1.) Daniel Eisermann: "Außenpolitik und Strategiediskussion" (R. Oldenbourg Verlag)
Gasteyger scheint ein wenig überrascht, wenn er feststellt, dass man dieses Thema durchaus auf "faszinierende und aufschlussreiche" Weise darstellen kann, so wie es seiner Ansicht nach Daniel Eisermann mit seiner überarbeiteten Dissertation hier gelungen ist. Der Rezensent weist darauf hin, dass der Autor bei der Gründung der Zeitschrift "Europa-Archiv" ansetzt, die zur "wohl wichtigsten Zeitschrift für die europäische Einigung im deutschen Sprachraum" wurde und die von der DGfAP bald übernommen wurde. Anschließend habe Eisermann den schwierigen Weg bei der Umsetzung "der europäischen Idee in die politische Praxis" nachgezeichnet. Mit großer Anerkennung weist Gasteyger darauf hin, das heute fast jedes Land über ein Forschungsinstitut wie das DGfAP verfügt und findet es sehr bedauerlich, dass ausgerechnet die Schweiz dabei eine Ausnahme macht. Das DGfAP zeichne sich schließlich dadurch aus, dass es zwischen außenpolitischer Theorie und Praxis vermittle und auch zu einem "unentbehrlichen Gesprächspartner weltweit" geworden sei.
2.) Peter R. Weilenmann, Hanns Jürgen Küsters, Günter Buchstab (Hrsg.): "Macht und Zeitkritik" (Verlag Ferdinand Schöningh)
Gasteyger weist darauf hin, dass Hans-Peter Schwarz, dem diese Festschrift gilt, auch heute noch dem wissenschaftlichen Direktorium der DGfAP vorsteht und die Arbeit dieser Gesellschaft maßgeblich beeinflusst hat. Von dieser "reichen, von konsequent nationalliberaler Haltung geprägten wissenschaftlichen Tätigkeit" zeugen nach Gasteygers Ansicht Beiträge dieses Bandes. Allerdings bedauert er, dass nur wenige Ausländer in diesem Band zu Wort kommen, deren Sicht auf die deutsche Entwicklung ihn sehr interessiert hätte. Dennoch hat Gasteyger den Band offenbar mit großem Gewinn gelesen. Die schwierige, aber "letztlich erfolgreiche Suche nach neuem nationalen Selbstbewusstsein und europäischer Einbettung" Deutschlands wird seiner Meinung nach in mehreren dieser Texte deutlich. Auch die Beiträge zu "grundsätzlichen Fragen der internationalen Ordnung" und die Porträts "politischer Denker und denkender Politiker" findet der Rezensent äußerst lesenswert.
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