Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Friederike Meltendorf. In einem Land, Jahre nach dem Ende eines blutigen Bürgerkriegs, regiert das Vergessen. Die alten Sprachen sind verboten, die Ortsnamen durch Zahlen ersetzt und die Erinnerungen an die Besiegten ausradiert. Eine Frau jedoch, Norma, leistet mit ihrer unverwechselbaren Stimme subtilen Widerstand: Sie moderiert die Radiosendung Lost City Radio, in der die Zuhörer nach ihren Vermissten suchen können. Eines Tages taucht im Sender ein Junge aus einem Dschungeldorf auf, Victor, mit einer Liste von Verschollenen und Toten, auf der auch der Name von Normas verschwundenem Mann Rey steht. Norma beginnt, die Wahrheit zu suchen und die Bausteine ihrer Vergangenheit zusammenzusetzen. Was weiß sie von Rey? Wer war er? Ethnobotaniker oder Untergrundkämpfer oder beides?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.03.2009

Anerkennend äußert sich Rezensentin Jutta Person über Daniel Alarcons Debütroman "Lost City Radio". Sie sieht den Roman in der Tradition der Überwachungsstaatsliteratur von Orwell, Bradbury oder Jose Saramago stehen. Vor dem Hintergrund einer anonymen, südamerikanischen Militärdiktatur geht es in Persons Augen vor allem um den Sog, "den die Verschwundenen erzeugen". Dabei verwebe Alarcon geschickt die Lebensgeschichten dreier Menschen, der Radiomoderatorin Norma, ihres verschwundenen Mannes Rey und eines Jungen namens Victor, der mit einer Liste der Verschwundenen seines Dorfes bei ihr auftaucht. Person hebt hervor, dass das Buch mit "Betroffenheitsliteratur für Nicaragua-Zirkel" nichts zu tun hat. Vielmehr ist es für sie ein Experiment, das sich die Aufgabe setzt, die Gewaltspirale formal zu übersetzen, und daneben auch die Frage nach Recht und Gesetzeskraft abhandelt. Statt der exotischen Buntheit eines Llosa oder eines Marquez regiere bei Alarcon "surreale Düsternis". Ein wenig störend empfindet sie die oft "hektisch wechselnden" Perspektiven und die vielen Zeitsprünge. Für einen Debütroman scheint ihr das Buch aber sehr gelungen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.11.2008

Angetan zeigt sich Kersten Knipp von Daniel Alarcons Buch "Lost City Radio", das er als ebenso "spannenden" wie "bewegenden" Roman lobt. Im Zentrum der in einer anonymen lateinamerikanischen Diktatur spielenden Geschichte sieht er die Radiomoderatorin Norma. Über ihre Sendung versucht sie, verschwundene oder in den Wirren des Bürgerkriegs voneinander getrennte Menschen und besonders ihren ehemaligen Lebensgefährten Rey wieder zu finden. Alarcon gelingt es nach Ansicht Knipps, das Leben nach dem Bürgerkrieg in einer Zeit der totalen Kontrolle fesselnd darzustellen. Dabei attestiert er ihm, dem Leser auch jenseits "persönlicher Geschicke" die Augen für die "Mechanismen totalitärer Herrschaft" zu öffnen. Vergleiche mit den Werken eines Alejo Carpentier, Augusto Roa Bastos oder Miguel Angel Asturias scheinen Knipp daher durchaus angebracht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2008

Beate Tröger weiß David Alarcons Roman "Lost City Radio" trotz einiger kleinerer Kritikpunkte durchaus zu schätzen. Die aus unterschiedlichen Perspektiven erzählte Geschichte über eine Radiomoderatorin in einem von einer Militärjunta beherrschten, südamerikanischen Land, in dem Menschen spurlos verschwinden, hat für sie den "Charakter einer Parabel". Als störend empfindet sie die "klischeehaften Phrasen", die in den Reflexionen der Figuren immer wieder auftauchen. Andererseits schätzt sie die präzisen Beobachtungen des Autors und die treffenden Dialoge. Alarcon gelingt es ihres Erachtens, eine beklemmende Stimmung zu erzeugen und die Atmosphäre von Bewachung und gegenseitiger Bespitzelung spürbar zu machen. Da es sich bei dem Werk um das Romandebüt des Autors handelt, will sie ihm die gelegentliche Verwechslung von "Naseweisheit" und "Einsicht" nicht weiter ankreiden.
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