Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Chimbote an der peruanischen Pazifikküste. Rasend hat sich die Stadt in den 60er Jahren vom Dorf zum Zentrum der Fischmehlindustrie entwickelt: ein Moloch aus Hafenkneipen, Bordellen und Slums, in denen ausgebeutete indigene Arbeiter aus den Bergen hausen. Das Großstadtleben und die gefährdete Natur beschreibt Arguedas in Bildern des Zerfalls: Möwen und Hunde streiten um Abfälle eines leergefischten Meers, im flackernden Stimmengewirr spricht jeder für sich allein. Krisenerfahrung und Zerfall greifen auch auf den Roman selbst über, Tagebuchnotizen des Autors unterbrechen die Handlung. In ihnen versucht Arguedas festzuhalten, was er liebt und was zu verschwinden droht: die Natur der Anden, deren Schönheit er funkelnde Miniaturen widmet, und die indigene Kultur Perus, verdrängt durch die kapitalistische Moderne.
Dem Rezensenten Maik Brüggemeyer zufolge wechseln sich hier tagebuchartige Reflexionen des peruanischen Autors über seine quälenden Selbstzweifel ab mit der fiktiven Geschichte der kolonialisierten Hafenstadt Chimbode, die sich der Produktion von Fischmehl verschrieben hat und dabei die indianischen Kulturen eindampft. Die titelgebenden Füchse kommentieren das Leid des Autors und erscheinen in Chimbode als handelnde Figuren, wobei der Fuchs von oben die Hochkultur des indianisch geprägten Hochlands - also das Reine und Mythische - und der Fuchs von unten die von den Spaniern kolonisierte Küstenregion - also den skrupellosen Geschäftssinn - repräsentiert, erklärt Brüggemeyer. Eine anspruchsvolle, aber sehr lohnende Lektüre, versichert der Rezensent, dem das Buch nicht nur die "seelischen Abgründe seines Schöpfers", sondern auch die Identitätskonflikte näher gebracht hat, die die Kolonialisierung Perus auslösten. Zum Verständnis dieses Hintergrunds fand der Rezensent den einleitende Essay des Literaturwissenschaftlers Marco Thomas Bosshard sehr hilfreich. Lob geht auch an den Übersetzer Matthias Strobel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2019
Christian Metz liest den letzten Roman von José Maria Arguedas als erschütterndes Testament. Wie der Autor, der sich 1969 das Leben genommen hat, hier das Tagebuch seiner Beschäftigung mit dem eigenen Tod mit seiner ethnologischen Forschung über die indigenen Quechua, ihren Mythen und dem Strukturwandel in einem peruanischen Fischerort verbindet, findet Metz lesenswert. Die mannigfachen Überlagerungen von indigener und westeuropäischer Kultur im Text scheinen Metz spannend. Die "feine" Übersetzung von Matthias Strobel trägt für ihn mit dazu bei.
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