Dagmar Leupold

Small Talk

Gedichte
Cover: Small Talk
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2025
ISBN 9783990274125
Gebunden, 128 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

"Small Talk" heißt dieser Band mit Gedichten, und natürlich geht es darin auch ums Wetter. Aber sozusagen ums Wetter "über das Wetter hinaus", wie es an einer Stelle heißt. Also um politische Wetterlagen, um Klimatisches, um Strömungen und Störungen, um das, was uns heute droht und morgen erwartet, kurz: um die Weltlage unserer Tage. Diese Gedichte sind freilich keine Nachrichten. Sie zählen nicht die Toten, sie messen nicht die Erdstöße, sie protokollieren nicht die Einschläge, wie es an anderer Stelle heißt. Aber sie reagieren darauf, mit sprachlich feinen Sinnen für die Art, wie wir darauf reagieren. Empfindlich, aber nicht empfindsam, hellhörig und klar. Denn nicht anders als ihre Romane sind auch Dagmar Leupolds Gedichte eine Schule der Wahrnehmung. Mit einem wachen Blick für das Kleinste, denn es könnte trösten. Und mit einem bangen Blick in den Himmel nach besseren Aussichten. "Small Talk" heißt dieser Band mit Gedichten also nicht von ungefähr.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025

Was "Small Talk" ist: "unsere Haltung gegenüber der humanen Katastrophe", die Sprache unserer Gegenwart, mit der wir zwischen den Polen Ereiferung und Eskapismus navigieren, mit der wir die Simultanität der Katastrophe und des privaten Glücks begreifen versuchen, mit der wir uns aneinanderklammern, beschreibt Rezensentin Angelika Overath. Dagmar Leupold erhebt dieses kleine Sprechen in ihrem Gedichtband zu Poesie, heißt, sie destilliert den Wahrheitsgehalt aus dem lapidaren Gerede über Essen und Wetter, die Sehnsucht, die sich darin äußern kann, die Hoffnung, das Bewusstsein über die eigene prekäre Lage in einer katastrophalen Welt. Dabei überrascht sie immer wieder mit Formulierungen, die unsere gewohnte Perspektive verrücken, einen frischen Blick ermöglichen, so Overath. Eine solche Arbeit mit und an der Sprache ist auch "Arbeit an der Welt", betont die erstaunte, beeindruckte, berührte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2025

Björn Hayer bleibt der Smalltalk über den Krieg im Hals stecken beim Lesen von Dagmar Leupolds Gedichten. Derart wortmächtig und entschlossen stellt sich die Autorin laut Hayer der Sachlage entgegen, findet Metaphern für den kriegerischen Umbruch. Wo andere in Sprachkrise und Schweigen versinken, bricht Leupold das Schweigen mit einem Abgesang auf die Romantik. Die Friedenstaube wurde abgeknallt, der Brunnen am Lindenbaum ist versiegt, lernt Hayer. Leupolds "Militarisierung der Sprache", etwa wenn sie einen Zank der Wolken um den Horizont oder die Detonation von Sternen beschreibt, ist für Hayer mehr, ist Gesellschaftskritik und Formgebung für unsere Ängste, aufrüttelnd und überwältigend.